ARD-Gottesdienst aus Espelkamp
Schüler live im Fernsehen
Schon Wochen vorher waren sie schrecklich aufgeregt. Doch bald ist es so weit: Am Reformationsfest, 31.Oktober, gestalten Schülerinnen und Schüler von zwei evangelischen Schulen in Espelkamp den Fernsehgottesdienst im ARD-Fernsehen.
Live und ganz ohne Pfarrer. Statt der Predigt gibt es ein Theaterstück und einige Lieder, die Luthers Geschichte mit der Gegenwart verknüpfen. Wer vor Ort dabei sein möchte, muss zwischen 9 und 9.30 Uhr in die Thomaskirche Espelkamp kommen. Wer nicht dabei sein kann, schalte seinen Fernseher ein: Montag, 10 Uhr, ARD.
UK-Redakteurin Karin Ilgenfritz hat zwei Wochen vor dem großen Ereignis eine der Proben für das Theaterstück besucht.
In der neuen Ausgabe von UK zum 30.Oktober berichtet sie darüber. Zwei Handlungsstränge laufen in dem Stück aufeinander zu: Die historische Luthergeschichte und eine Szene aus der Gegenwart. Schüler sitzen in einem Bus, unterwegs zur Wartburg.
Sie unterhalten sich über ihre Probleme, über den Glauben und über diesen überflüssigen Schulausflug.
Dann Rückblende: Luther in seiner Schreibstube auf der Wartburg. Zwei Mönche versuchen ihn aufzuheitern und abzulenken. Doch er will weiter in der Bibel lesen und sinnieren, wie er einen gnädigen Gott bekommt.
Luther liest im Brief des Paulus an die Römer.
Schließlich kommt ihm die Erleuchtung: „Der aus Glauben Gerechte wird leben“, liest er. Er erkennt, dass Gott nicht in dem Sinne gerecht ist, dass er den Menschen nach seinen Taten oder Untaten belohnt oder bestraft.
Vielmehr nimmt Gott den Menschen, der immer wieder schuldig werden kann, aus Gnade an, unabhängig davon, was er getan hat oder nicht getan hat. Er macht ihn „recht“ und schenkt ihm den Glauben.
Mit dieser Erkenntnis fühlt Luther sich wie neugeboren, als sei er nun „in das Paradies selber eingegangen.“
Die Schüler in dem Espelkamper Theaterstück sind inzwischen auf der Wartburg angekommen. Sie können kaum glauben, dass es Martin Luther selber ist, der ihnen hier in seiner Studierstube begegnet – obwohl die doch längst Museum ist.
Nach anfänglicher Irritation unterhalten sie sich mit ihm und stellen fest, dass seine Gedanken durchaus noch aktuell sind.
Durch das Gespräch mit Luther finden sie Wege, auch mit ihren eigenen Problemen anders umzugehen. Von Gott angenommen sein, so wie sie sind – und nicht, weil sie so Großartiges leisten, das ist auch für sie eine befreiende Entdeckung.
Ein gutes, ansprechendes Drehbuch.
Zwischen den einzelnen Szenen gibt es immer wieder Chor- und Musikstücke und auch Gemeindelieder – alles aufeinander abgestimmt. Natürlich darf auch Luthers trotziges Kirchenlied nicht fehlen: „Ein feste Burg ist unser Gott.“
Man darf gespannt sein, wie am Reformationstag alles klappt.
Vermutlich wie am Schnürchen. Und falls es doch einmal irgendwo haken sollte, ist‘s auch nicht weiter schlimm. Die Fernsehzuschauer werden so viel Mühe sicher zu schätzen wissen und es mit Humor nehmen.
Wolfgang Riewe
Dieser Beitrag wurde am 30.10.2011 um 09.08 Uhr veröffentlicht.
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