UK - Unsere Kirche > Startseite
Freitag, 10.02.2012
Sie sind hier: UK  > Blogs > Chefsache > Letzter Ausweg muss bleiben

Die UK-Weblogs

Chefsache

Viele Wahlurnen bleiben leer

4. Stock, links

Die Wolken und Berlin

Werbung

Werbung

Babyklappen abschaffen?

Letzter Ausweg muss bleiben

Es waren oft schreckliche Bilder: Einmal wurde ein Neugeborenes auf einer Bahnhofstoilette entdeckt, ein anderes Mal im Gebüsch vor einem Krankenhaus, erfroren.

Solche Erfahrungen veranlassten vor zehn Jahren Krankenhäuser und kirchliche Einrichtungen dazu, so genannte Babyklappen einzurichten. Anonym konnten Frauen in Not ihr Neugeborenes in die öffentlich zugänglichen Wärmebettchen legen und so zur Adoption freigeben.

Nun aber hat sich der Deutsche Ethikrat für die Abschaffung dieser Babykörbchen ausgesprochen. Auch die Angebote für anonyme Geburten sollen aufgegeben werden.

Das anonyme Hinterlassen eines Kindes verstoße gegen die Meldepflicht und verletzte das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft.

Hat der Ethikrat recht?

Für Mütter, die unerkannt bleiben wollen, wollen dessen Mitglieder immerhin einen Ausweg lassen: Die Daten der Frauen bleiben zunächst anonym, und werden erst nach zwölf Monaten dem Standesamt übermittelt. Auf diese Weise erhalten die Kinder später die Chance, über ihre Herkunft Klarheit zu bekommen.

So weit so gut. Ob dieses Angebot aber von allen Müttern auch angenommen wird, ist eine andere Frage. Erfahrungen zeigen, dass ein bestimmter Kreis von Hilfebedürftigen ohne Babykörbchen und Angebote zur anonymen Geburt leider nicht erreicht wird.

Die Babyklappen haben in den letzten zehn Jahren nachweislich geholfen, das Leben zahlreicher Kinder zu retten.

Dass in bundesweit 130 Kliniken Mütter ihr Kind ohne Angabe ihrer Identität entbinden konnten, trug in vielen Fällen dazu bei, dass sie sich nach der Geburt für ein Leben mit dem Kind entschieden.

Die Argumentation des Ethikrates ist in der Theorie richtig. In der Realität aber gibt es immer noch Teenager, für die ein Kind eine Katastrophe bedeutet. Oder unverheiratete Frauen, die ihre Schwangerschaft aus Angst vor ihrer Familie verbergen müssen.

Weil diesen Frauen alles ausweglos erscheint, können sie Beratung und Hilfe oft nicht annehmen.

Für manche ist die Alternative zur Babyklappe im Extremfall dann nicht die vertrauliche Geburt, sondern dass sie das Baby irgendwo ablegen.

Sicher haben Kinder das Recht, ihre Herkunft zu erfahren. Aber der Ethikrat irrt, wenn er meint, das Recht auf Kenntnis der Herkunft über das Recht auf Leben stellen zu müssen.

Jedes Kind, das gerettet wird, ist den Aufwand wert.

Ein Babykörbchen oder eine anonyme Geburt sind zwar nie mehr als ein letzter Ausweg. Vor allem angesichts zunehmender Armut muss dieser letzte Ausweg aber bleiben.

Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 30.11.2009 um 16.14 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Eigenen Kommentar schreiben
Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare verfassen zu können.
Loggen Sie sich hier ein, falls Sie schon einen Account haben
Melden Sie sich hier kostenlos an
Evangelisch in Westfalen und Lippe
Informationen aus den Kirchenkreisen der EKvW und aus der Lippischen Landeskirche auf den jeweiligen Seiten (klicken Sie auf den gewünschten Bereich).
Karte