Kirche und Humor
Hat Jesus gelacht?
In einem alten Andachtsbuch, das mir kürzlich beim Aufräumen in die Hand fiel, stieß ich auf ein merkwürdiges Kapitel: Der Verfasser warf dort allen Ernstes die Frage auf, ob Jesus in seinem Leben wohl gelacht habe.
Einfach lachhaft diese Frage! Warum sollte der, der so oft von Freude und erfülltem Leben gesprochen hat, nicht gelacht haben? Natürlich sind die Evangelien, die von Jesu Reden und Tun erzählen, nicht voller Witzen und Pointen; schließlich lief sein Leben am Ende auf Leiden und Tod hinaus.
Aber dass Jesus bei seinen Wanderungen durch das schöne Galiläa und bei den festlichen Mahlzeiten und Hochzeiten, an denen er teilgenommen hat, nicht fröhlich gewesen sein soll, ist für mich kaum vorstellbar.
Vermutlich war den Evangelisten dies so selbstverständlich, dass sie es nicht eigens erwähnt haben.
Schließlich haben sie ja auch nicht überliefert, was Jesus gegessen und wie oft er sich gewaschen und gekämmt hat. Aber dass er sein Evangelium, diese „frohe Botschaft“ von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, nicht freudlos und düster vorgetragen hat, dessen bin ich mir sicher.
Er sei gekommen, sagte er einmal, damit die Menschen ein von Freude erfülltes Leben haben können.
Denen, die sich ständig Sorgen machten, hielt er die herrliche Freiheit der Vögel vor Augen – und auch die Schönheit der Blumen am Wegesrand. Selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit sei nicht so prächtig gekleidet gewesen wie sie, meinte er augenzwinkernd.
Den kleinen Zachäus holte Jesus vom Baum herunter und hielt in seinem Haus ein Freudenmahl, weil er ein neues Leben beginnen wollte. Den Erwachsenen - und speziell den Schriftgelehrten, die sich für besonders klug und bedeutend hielten - stellte er eine Schar kleiner Kinder als Vorbild vor Augen.
Wie sie sollten sie werden, wenn sie in das Himmelreich wollten, sagte er.
Ja, es ist wahr: Der Chef des Unternehmens „Himmelreich & Co“ war ein fröhlicher Mensch, ein Freund der Mensch. Das Himmelreich verglich er mit einer Hochzeit, mit einem fröhlichen Fest!
Auch er selbst war immer wieder bei Hochzeiten dabei. Bei der Hochzeit in Kana zum Beispiel. Wir wissen das, weil es auf diesem Fest eine ziemlich peinliche Situation gab. Dem Brautpaar ging nämlich nach kurzer Zeit der Wein aus.
Oh Schreck! Ein Hochzeitsfest ohne etwas zu trinken! Ziemlich traurig, nicht wahr?
Damit die Gäste nicht schon um zehn nach Hause gingen, bat Mutter Maria ihren Jesus, doch bitte zu helfen. Der lehnte zunächst ab, weil er nicht wolte, dass die Menschen nur seiner Wunder wegen an ihn glaubten.
Doch dann hilft Jesus doch. Er lässt Wasser holen und in die leeren Krüge füllen. Verwandelt das Wasser der Traurigkeit in den Wein der Freude. Musik erklingt wieder, die Hochzeitsgäste können weiter feiern, sie singen und tanzen bis weit nach Mitternacht.
Hier und bei anderen Hochzeiten hat Jesus vermutlich kräftig mitgefeiert.
Sonst hätten die Evangelisten nicht überliefert, dass manche der führenden Leute des Judentums daran Anstoß nahmen. Sie stellten nämlich die Frage: Wie kann einer ein frommer und ehrbarer Rabbi sein, wenn er so ausgelassen feiert – und das sogar „mit Zöllnern und Sündern“?
Jesus stellte sich dieser Kritik: „Als Johannes auftrat und nichts aß und trank, da fandet ihr, er sei vom Teufel besessen. Dann komm ich, der Menschensohn, esse und trinke, und nun sagt ihr: Seht doch, den Fresser und Säufer, den Freund der Betrüger und Gottlosen!“
Ruhig und gelassen führt ihnen Jesus ihre Widersprüche vor Augen. Und er steht dazu, dass er gerne mit anderen feiert, vor allem mit denen, die von den anderen längst abgeschrieben sind.
In den Evangelien ist nie die Rede davon , dass Jesus bei Festen und Feiern ernst und steif unter den Gästen gesessen hat. In dem, wie später der Evangelist Lukas die Urgemeinde schildert, klingt noch etwas davon nach, wie es zuging bei den Mahlzeiten, die Jesus mit den Menschen teilte.
Freude war hier die Grundstimmung! Von den ersten Christen heißt es nämlich, dass sie „ in ihren Häusern das Brot brachen und das Mahl miteinander hielten in Freude und Einfalt des Herzens.“
Von dieser fröhlichen Atmosphäre der Urkirche könnte auch in unserer heutigen Gemeinden durchaus mehr zu spüren sein! In manchen Gemeinden und kirchlichen Leitungsgremien herrscht leider oft eine eher depressive Grundstimmung vor.
Mich bekümmert es jedes Mal, wenn ich in solche Gremien komme, wie sehr man sich gegenseitig herunterzieht durch die ständige Konzentration auf Abbau und Einsparungen.
Von neuem Aufbruch ist hier selten die Rede.
Und wenig zu spüren von der Freude, die Christen eigentlich ausstrahlen sollten. Im Verlust der Freude und einer begeisternden Spiritualität sehen viele Außenstehende daher auch eine der wesentlichen Ursache dafür, warum die Kirchen gegenwärtig für viele Menschen oftmals nicht besonders anziehend sind.
Zum Glück gibt es viele Gegenbeispiele.
Ich kenne eine ganze Reihe von Gemeinden, in denen die Gottesdienste sonntags rappelvoll sind. Und in denen man sich alltags mit großem Engagement um Menschen kümmert, die in Not sind. Was ist ihr Geheimnis?
Fast immer gibt es in solchen Gemeinden einen Kern von Menschen, die von ihrem Glauben begeistert, die „Feuer und Flamme“ sind von Jesus. Sie verstehen es, diese Begeisterung auf andere Menschen zu übertragen. Sie mit Freude und Engagement anzustecken.
„Die Freude am Herrn ist unsere Stärke“ hat der Prophet Nehemia einst zu denen gesagt, die vor dem Wiederaufbau des zerstörten Jerusalems standen. Diese Freude ist auch heute die Stärke der Christen, die sich nicht um Abbau, sondern um Auf- und Umbau der Kirche bemühen. Die Pessimismus und vorauseilender Resignation den Abschied geben.
Wie gut, dass sie Jesus mit im Boot haben. Denn das macht fröhlich, humorvoll und gelassen.
Wolfgang Riewe
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Dieser Beitrag wurde am 15.2.2010 um 09.48 Uhr veröffentlicht.
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