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Fragwürdiger Rausschmiss

Das war (k)eine schöne Bescherung: Drei Tage vor Heiligabend erfahren die Redakteure der Paderborner Bistumszeitung „Der Dom“ von ihrer Entlassung. Der Geschäftsführer begründet dies mit der wirtschaftlichen Lage der Wochenzeitung, die unter hohem Kostendruck stehe.

Zwei der fünf Kollegen dürfen bis Mitte des Jahres noch bleiben, ein freier Mitarbeiter soll „Feuerwehr“ spielen, die wesentlichen Inhalte aber kommen künftig von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA). Ein abenteuerlicher Plan ist das. Doch leider zu kurz gedacht. Das Verhältnis zwischen Bistumsleitung, Verlag und Redaktion muss stark gestört sein, wenn man auf diese Weise miteinander umgeht.

Es ist völlig inakzeptabel, keine Gespräche mit den Betroffenen zu führen und auch den Betriebsrat nicht zu beteiligen.

Menschlich und auch rechtlich gesehen ist das harsche Vorgehen wohl nicht in Ordnung. Daher ist unverständlich, dass der Paderborner Erzbischof als Herausgeber des „Dom“ dem kollektiven Rausschmiss offensichtlich zugestimmt hat.

Noch vor drei Jahren hatte er anlässlich der Kündigung sämtlicher Redakteure der Münsterschen Zeitung gemahnt, dass „sachgerechte, kritische und unabhängige Information ihren Wert hat und deshalb gerechten Lohn und nicht Tarifflucht braucht“.

Aber geht es vor der eigenen Haustür nicht genau darum?

Es ist ziemlich durchsichtig, das die bisherige - nach Tarif bezahlte - Redaktion vor die Tür gesetzt werden soll, damit künftig „Freie“ mit Hilfe von KNA-Mitarbeitern die gleiche Arbeit erledigen. Preiswerter vermutlich, weil unter Tarif.

Es ist beschämend, dass ein christliches Unternehmen wie die Bonifatius GmbH dem schlechten Vorbild weltlicher Großverlage folgt und Mitarbeiter entlässt, die im Dienst der Kirche eine hervorragende Arbeit geleistet haben.

Erst kürzlich wurde „Der Dom“ für seine Aufmachung noch ausgezeichnet.

An den Redakteursgehältern allein kann es wohl nicht gelegen haben, wenn der 150 Mitarbeiter zählende Verlag im Krisenjahr 2009 in Schwierigkeiten gekommen ist.

Bei einer verkauften Auflage von immerhin 40 000 Exemplaren wöchentlich und einem sehr hohen Anzeigenaufkommen dürfte eine solche Zeitung durchaus einigermaßen wirtschaftlich zu führen sein.

Fragwürdig ist die vom Aufsichtsrat getroffene Entscheidung auch aus verlegerischer Sicht.

Mit Seiten, die von einer externen Nachrichtenagentur angeliefert werden, ist nämlich allein noch keine gute Kirchenzeitung zu machen. Eine Nachrichtenagentur hat unabhängig über Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft zu informieren und ist zur Neutralität verpflichtet.

Eine Kirchenzeitung dagegen muss die Entwicklungen im kirchlichen Bereich auch einordnen und kommentieren können.

In jedem Falle bedarf es dazu einer eigenständig arbeitenden, gut ausgebildeten Redaktion, die in ihrer Kirche und Region fest verwurzelt ist.

Erst ein Team profilierter Köpfe gibt einer Zeitung Herz und Seele. Darauf verzichten zu wollen, könnte der Anfang vom Ende sein.

Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 13.1.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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