20 Jahre Mauerfall
Es war ein glücklicher Tag
Schon vor Beginn der Feiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls strömten am vergangenen Wochenende in Berlin Zehntausende Menschen zu den Hauptschauplätzen des historischen Ereignisses. Zum Höhepunkt des Mauerfall-Jubiläums sollen am heutigen Abend des 9.November der ehemalige polnische Präsident Lech Walesa und der frühere Ministerpräsident Ungarns, Miklos Nemeth, die ersten Styroporsteine umstoßen und damit die Mauer erneut zu Fall bringen.
„Den glücklichsten Tag der jüngeren deutschen Geschichte“ nannte Bundeskanzlerin Merkel den 9. November 1989. Sie erwartet für die heutige Jubiläumsfeier Staats- und Regierungschefs aus mehr als 30 Staaten. Unter anderem kommen der russische Präsident Dmitri Medwedew, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, US-Außenministerin Hillary Clinton und der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow.
Erfreulich ist, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel besonders die Rolle von Bürgerrechtlern und kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewürdigt hat.
Denn sie haben durch ihr mutiges Auftreten für Freiheit und Gerechtigkeit ganz wesentlich zur Maueröffnung beigetragen. Sie sei dankbar für die entscheidende Rolle der evangelischen Kirche, sagte auch Landesbischöfin Margot Käßmann, die neue Ratsvorsitzende der EKD.
Mit Michail Gorbatschow und Lech Walesa ist Bundeskanzlerin Angela Merkel am Nachmittag des 9. November über die Bornholmer Brücke gegangen. Dort wurde am Abend des 9.November 1989 der erste innerstädtische Grenzübergang eröffnet. Walesa und Gorbatschow haben ganz wesentlich zum Erfolg der ersten friedlichen Revolution auf deutschem Boden beigetragen.
Die von Walesa geführte Gewerkschaft „Solidarnosc“ hatte in den 1980er Jahren bereits die Grundfeste des osteuropäischen Kommunismus ins Wanken gebracht. Und Gorbatschow ließ die sozialistischen „Bruderstaaten“ gewähren.
„Sie haben nicht eingegriffen“, sagte Merkel am Sonntag bei der Eröffnung des deutsch-deutschen Museums Villa Schöningen an der Glienicker Brücke, „und das war sehr, sehr viel, lieber Michail Gorbatschow.“
Schon bei der großen Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 hätte es ein großes Blutvergießen geben können. Militärische Einsatzkräfte waren in den Vororten Leipzigs bereits zusammen gezogen.
Entscheidend dafür, dass der Zug um den Leipziger Ring dennoch friedlich verlief, war, dass immer wieder die Parole „Keine Gewalt!“ gerufen wurde. Die Botschaft der Bergpredigt wurde auf diese Weise direkt in politisches Handeln umgesetzt.
Auch vier Wochen später, am Abend der Maueröffnung in Berlin, verlief alles friedlich. Die Vopos am Grenzübergang Bornholmer Straße wurde gegen 21 Uhr von einer riesigen Menschenmenge geradezu überrumpelt. „Tor auf! Tor auf“ riefen die Leute.
Gegen 22.30 Uhr gaben die diensthabenden Offiziere schließlich dem Druck der Straße nach. Kurz nach Mitternacht waren dann alle Grenzübergänge der Stadt geöffnet.
Wenige Tage später war ich in Berlin. Gemeinsam mit einem Ostberliner Freund bin ich mehrmals durch das Brandenburger Tor gegangen, hin und zurück. Den Personalausweis wollte der Vopo schon gar nicht mehr sehen. Wir konnten es beide nicht fassen.
Die Mauer war gefallen. Die Zeit des Eingeschlossenseins unserer ostdeutschen Geschwister, auch die unserer eigenen - oft demütigenden – Grenzübergänge, sie war endlich zu Ende.
So viel Freude und Dankbarkeit wie damals habe ich in meinem Leben selten empfunden. Es war ein glücklicher Tag. Fast gleichzeitig kam mir und meinem Freund der Liedvers in den Sinn: „Nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen!“
Ja, die Dankbarkeit über diesen glücklichen Tag vor 20 Jahren sollten wir uns bewahren.
Wolfgang Riewe
Dieser Beitrag wurde am 9.11.2009 um 16.11 Uhr veröffentlicht.
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