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Der Papst in Deutschland

Erwartungen nicht zu hoch schrauben

 Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI.

Ein dichtes Programm hat Papst Benedikt XVI. auf seiner 21. Auslandsreise zu absolvieren.

Bei seinem Deutschlandbesuch vom 22. bis 25. September wird er 17 Ansprachen halten und fünf große Gottesdienste mit etwa 250.000 Besuchern feiern. Ob er dabei auch ökumenische Akzente setzen wird? Man darf gespannt sein. Allzu hoch gesteckte Erwartungen sollte sich allerdings niemand machen.

Denn wer hier die Messlatte zu hoch legt, wird enttäuscht werden.

In Peter Seewalds Papstbuch „Licht der Welt“ äußert Benedikt XVI. nämlich unter anderem, dass der Protestantismus seiner Meinung nach „Schritte getan hat, die ihn eher von uns entfernen; mit der Frauenordination, der Akzeptanz homosexueller Partnerschaften und dergleichen mehr.“

Wünschenswert wäre es schon, wenn der Papst einen seiner Auftritte zum Beispiel dazu nutzen würde, Erleichterungen für konfessionsverschiedene Ehen anzukündigen.

Der katholische Theologe Wolfgang Thönissen vom ökumenischen Adam-Möhler-Institut in Paderborn findet, der Besuch in Deutschland eine gute Gelegenheit dazu wäre.

Thönissen meint zu Recht, dass in diesen Partnerschaften die Ökumene zwischen Christen beispielhaft gelebt wird, auch wenn dies „nicht immer voll in Übereinstimmung mit den Vorgaben des Kirchenrechts steht.“ Bisher verwehrt die katholische Kirche den evangelischen Partnern offiziell die Eucharistie.

Manche Paare nehmen trotz dieses Verbotes zu zweit daran teil oder besuchen das evangelische Abendmahl.

Ihnen wäre geholfen, schrieb Thönissen im Newsletter des ökumenischen Deutschen Predigtpreises, „wenn der Papst seinen Respekt vor der Gewissensentscheidung der konfessionsverbindenden Paare im Blick auf den Sakramentenempfang zum Ausdruck bringen würde.“

Zudem könne er die deutschen Bischöfe ermutigen, „nach dem Beispiel anderer Bischofskonferenzen Bestimmungen zu erlassen, die der pastoralen Situation in der jeweiligen Region angemessen sind“.

Mit vorsichtigem Optimismus kann man auch der Begegnung des Papstes mit der Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Erfurter Augustinerkloster entgegen sehen. Dort hatte Martin Luther von 1505 – 1512 – also vor seiner reformatorischen Entdeckung und seinem Bruch mit Rom – gelebt.

Der Papst könnte an historischer Stätte Werk und Wirkung Martin Luthers würdigen und ihn nachträglich rehabilitieren.

Denn längst hat auch in der katholischen Theologie eine andere Beurteilung Luthers Fuß gefasst. Auch die katholischen Wissenschaftler sagen heute übereinstimmend, dass manche Kritik Luthers an der Praxis der damaligen Kirche berechtigt und manche Reaktionen Roms auf seine Thesen unberechtigt waren.

Auch im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 – katholische Bischöfe sprechen von „Reformationsgedenken“ – könnte der Papst einen Impuls geben.

Denn bisher ist noch nicht ersichtlich, welche Rolle die römisch-katholische Kirche bei dieser 500-Jahr-Feier der Reformation spielen wird. Ob es einen dritten Ökumenischen Kirchentag geben wird, ist nicht sicher. Wünschenswert wäre es schon.

Thönissen, der in Paderborn Professor für Ökumenische Theologie ist, hat für das 500. Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 ein gemeinsames Schuldbekenntnis beider Kirchen vorgeschlagen.

Der Leiter des Ökumeneinstituts der katholischen Kirche, der den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen berät, ist der Meinung, dies werde die Annäherung von Protestanten und Katholiken im Bewusstsein der Gesellschaft verankern.

Dies ist richtig.

Aus dem Bekenntnis der Schuld sollte man dann aber auch die Konsequenz ziehen und miteinander am Tisch des Herrn das Sakrament feiern, das die Vergebung der Schuld und die Gemeinschaft mit Christus zuspricht: Das gemeinsame Abendmahl bleibt der Zielpunkt der Ökumene.

Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 19.9.2011 um 16.35 Uhr veröffentlicht.

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