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Der Papst und die Ökumene

Ernüchterung kehrt ein

<b>Viel Prunk, wenig Konkretes</b>: Der Papst zog sich bei seinen Ansprachen im Osten Deutschlands oft auf bekannte kirchenpolitische Positionen zurück. Foto: UK-Archiv

Viel Prunk, wenig Konkretes: Der Papst zog sich bei seinen Ansprachen im Osten Deutschlands oft auf bekannte kirchenpolitische Positionen zurück. Foto: UK-Archiv

Was wurde im Vorfeld von diesem Besuch nicht alles erwartet: Der Papst möge den Bann gegen Martin Luther aufheben, den Weg für ein gemeinsames Abendmahl freimachen und Erleichterungen für konfessionsverschiedene Ehen zusagen.

Doch wer die Messlatte derart hochgelegt hatte, musste enttäuscht werden. Nichts von alledem geschah. Stattdessen hielt der Papst an Luthers ehemaliger Wirkungsstätte in Erfurt eine Predigt, die eigentlich gar keine Predigt war.

Anders als im Berliner Olympiastadion, wo er sehr zentral das Bild von Jesus als dem Weinstock in den Mittelpunkt rückte, bezog er sich in Erfurt auf keinen konkreten Bibeltext, den er auf die Gegenwart hin auslegte.

Er trug lediglich bekannte kirchenpolitische Positionen vor.

Benedikt unterbot sogar noch die geringsten Erwartungen dadurch, dass er in seiner Ansprache Martin Luther mit keinem einzigen Wort erwähnte. Geradezu schroff wirkte die Ankündigung Benedikts, „ökumenische Gastgeschenke“ könne es nicht geben. Der Glaube sei schließlich keine Verhandlungssache.

Das ist wohl wahr. In der evangelischen Kirche hat dies aber auch noch nie jemand behauptet.

Um zu größeren Gemeinsamkeiten zu kommen, bedarf es natürlich „eines gemeinsamen Hineindenkens und Hineinlebens in den Glauben“, wie der Papst sagte. Aber geschieht das nicht seit Jahrzehnten? Warum kommt es trotzdem nicht zu konkreteren Ergebnissen und einer sichtbaren Kirchengemeinschaft?

Genau diese stellt Benedikt XVI. bei seiner Deutschland-Visite den orthodoxen Kirchen in Aussicht.

Weil sie ihm in ihrer zum überwiegenden Teil stark konservativen Ausrichtung näher liegen als die Protestanten, verhieß er in Freiburg den Orthodoxen, dass „der Tag nicht mehr fern ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern werden.“

Den gemeinsamen Auftrag mit den evangelischen Kirchen sieht der Papst vor allem darin, „gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen“.

Auch bei der Verteidigung der Menschenwürde und der Auseinandersetzung mit Genforschung und Biomedizin findet er gemeinsame Ansätze.

Aber eigentlich sind das ja Selbstverständlichkeiten, die man an diesem historischen Ort, an dem Martin Luther um ein neues Verhältnis zu Gott rang, nicht noch einmal zu wiederholen brauchte.

Nach diesem kurzen ökumenischen Gastspiel fragen sich viele nun, was wohl der Grund war für die deutliche Abgrenzung des Papstes gegenüber den Protestanten?

Aufschluss dazu gibt eine von mir bereits erwähnte Passage in Peter Seewalds Papstbuch. Dort äußert Benedikt, dass „der Protestantismus in letzter Zeit Schritte getan hat, die ihn eher von uns entfernen.“

Was er damit meint?

Konkret nennt er die „Frauenordination, die Akzeptanz homosexueller Partnerschaften und dergleichen mehr.“

Aber auch beim Kampf gegen die Präimplantationsdiagnostik fühlt sich die römisch-katholische Kirche in letzter Zeit von den Protestanten allein gelassen.

In der Rheinischen Post“ wetterte der Regensburger Bischof Gerhard Müller kürzlich: „Es kann nicht sein, dass wir Katholiken die unbequemen Wahrheiten, etwa zu Fragen der Bioethik, verkünden und dann allein unter dem öffentlichen Trommelfeuer stehen.“

Die evangelischen Bischöfe und Präsides belehrte er, sie sollten in erster Linie Verkündiger des Evangeliums sein.

Sind sie es etwa seiner Meinung nach nicht?

Letztlich beruht die gegenwärtige Abgrenzungs-Rhetorik vermutlich auf einer grundsätzlich unterschiedlichen Einschätzung der pluralistischen Gesellschaft.

Evangelische Kirchenführer können ihr in der Regel durchaus positive Seiten abgewinnen und beschrieben Vielfalt häufig als Reichtum.

Benedikt und manche seiner Bischöfe malen sie dagegen häufig in düsteren Farben und sehen vieles in ihr als Abkehr vom Glauben.

Die rigoristischen Moralvorstellungen, die sich aus diesem Weltbild ergeben, machen zusätzlich eine Verständigung mit liberaler eingestellten evangelischen Kirchenführern schwer. Mit Reformkatholiken, die eine „Kirche von unten“ fordern, sowieso.

Das Wichtigste an dem Besuch des Papstes im Augustinerkloster Erfurt wahr wohl, dass er überhaupt stattgefunden hat.

Ansonsten aber ist Ernüchterung eingekehrt. Man kann zwar für vieles in der Ökumene Erreichte dankbar sein und sollte auch weiter an konkreten Fortschritten arbeiten. Ansonsten aber sollten sich die beiden Kirchen darauf konzentrieren, die christliche Botschaft neu zum Leuchten bringen.

Jede mit ihren Traditionen und Möglichkeiten.
Wolfgang Riewe

»Papst hat die Ökumene amtlicherseits begraben«
»Laue Christen« schaden der Kirche
Historische Rede: Der Papst im Bundestag

Dieser Beitrag wurde am 26.9.2011 um 13.24 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Matthäus53 schrieb am 06.10.2011 13:25:

Ernüchterung kehrt ein, der Papst ist wieder weg, läßt er die Priester und die Kirche allein. Nein so ists nicht richtig, wichtig ist die Papst Aussage, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und dass zu predigen was in der Bibel geschrieben steht !
Wenn die Aussage richtig sein und auch danach gehandelt werden soll, müssen auch die Sakramente so abgehandelt werden wie es biblisch geschrieben steht und es darf nicht nur eine verstaubte Lehrmeinung beim Abendmahl abgehandelt werden.

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