Rheinisch-westfälische Mentalitäten
»Du könntest katholisch sein!«
Die Menschen sind überall gleich, nur die Mentalitäten sind etwas unterschiedlich. Die zwischen Rheinländern und Westfalen zum Beispiel.
Sitzt mir in der Straßenbahn in Köln ein Jeck gegenüber. Seinem Aufzug nach zu urteilen, will er zur Karnevalssitzung. „Si sin aber auch nit von hier“, dröhnt er, als er mich sprechen hört. „Nein, ich bin aus dem schönen Westfalen“, antworte ich. Der Kölner Jung verzieht sein Gesicht und sagt: „Westfale! Die Westfalen tun mir so leid!“
„Wieso?“ frage ich erstaunt zurück. „ Die müssen ja erst 20 Jahren im gleichen Haus wohnen, ehe sie Du sagen. Bei uns Rheinländern reicht es schon zum Du, wenn wir die gleiche Zeitung lesen.“
Das ganze Abteil lacht. Bestärkt von seinem Erfolg legt er nach: „Sind Sie denn wenigstens katholisch?“ „Nein, evangelisch“, gebe ich zurück. „Oh, dann tun Sie mir noch mehr leid. Die Evangelischen haben ja immer nur das Arbeiten im Sinn.“ Er wirkt so, als täte es ihm weh, was er sagt.
„Sie sind Lehrer?“ fragt er. „Nein, noch schlimmer. Ich bin evangelischer Pastor und auch noch Kirchenzeitungsredakteur.“
„Das ist mir aber nun peinlich“, sagt er und wird ganz ernst. „Hätte ich mal den Mund gehalten.“
Ich beruhige ihn: „Es stimmt ja fast alles, was die Rheinländer über uns Westfalen reden. Sie wissen doch, was ein Westfale morgens sagt, wenn er in die Firma kommt: ‚Was müssen wir heute arbeiten? Wissen Sie, was der Rheinländer sagt?“
„Natürlich“, pariert der Kölsche Jeck und gibt auch gleich die Antwort: „Wo feiern wir denn heute Abend?“ Das ganze Abteil wiehert vor Lachen.
Mein Gegenüber legt noch einen drauf: „Was macht ein Rheinländer, wenn er im Februar einen freien Tag hat? „Er holt eine Flasche Wein aus dem Keller und geht zum Karneval. Und der Westfale?“ fragt er provozierend. „Ich weiß“, antworte ich ihm, „er nimmt eine Herztablette und geht zur Arbeit.“
Jetzt ist die Stimmung auf dem Höhepunkt.
„Sehen Sie“, sage ich ihm, „wir Westfalen haben so viel Humor, dass wir sogar über uns selbst lachen können.“ Da steht er auf, kommt rüber, drückt mich an seine ordenschwere Brust und ruft begeistert: „Jung, du könntest katholisch sein!“
Wolfgang Riewe
Dieser Beitrag wurde am 4.2.2010 um 17.57 Uhr veröffentlicht.
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