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Urlaubszeit - Lesezeit

Die Seele baumeln lassen

Die meisten Sachen sind gepackt, das Auto steht abfahrbereit. Bald geht es ab in den Urlaub. Endlich einmal Abstand finden vom gewohnten Trott und den alltäglichen Pflichten. Doch Halt! Irgendetwas fehlt noch.

Richtig: Ein paar Bücher sollten schon noch mit dabei sein. Ohne die passende Urlaubslektüre geht’s einfach nicht. Doch allzu schwergewichtig dürfen diese Bücher nicht sein. Nicht von den Kilos, sondern von den Themen her.

Schließlich dient der Urlaub dazu, die Seele baumeln zu lassen, aufzutanken für die Zeit danach. Zweckfrei sollte Urlaubslektüre deshalb sein. Vom Alltag ablenken oder in fremde Welten entführen.

Lesen im Urlaub muss der Entspannung dienen - und der Muße. Muße. Dieses schöne altmodische Wort traut man sich heute kaum noch in den Mund zu nehmen. Aber genau darum geht es im Urlaub. Nicht um eine Hetzjagd zu immer neuen Zielen, sondern um das Einüben von Ruhe und Gelassenheit. Eben von Muße.
Muße hat mit „Zeit haben“ zu tun und mit Gemächlichkeit. Der Urlaub bietet den Freiraum dazu, sich einmal mit Dingen zu beschäftigen, für die sonst im Alltag wenig Raum ist.

Da ich in diesem Jahr nach Norwegen fahre, habe ich mich dafür entschieden, einmal wieder die großen Erzählungen von Knut Hamsun zu lesen, die ich kürzlich in einer preiswerten Sonderausgabe erworben habe.
Durch die Internetplattform buchreligion.de bin ich außerdem auf die Reiseerlebnisse des Tagessschausprechers Thorsten Schröder aufmerksam geworden. Auch sein Berufsalltag von vorn bis hinten durchgetaktet. Da interessiert mich doch sehr sein „Kontrastprogramm“ – so der Buchtitel. Per Rad hat er in seiner Freizeit verschiedene Länder erkundet, im Gepäck nur das Nötigste.

Schröders Frage ist auch meine Frage: Was braucht man wirklich? Worauf kann man verzichten? Und was muss man unbedingt bewahren? Das Buch könnte mir Anstöße geben, darüber neu nachzudenken.

Ein anderes Reisetagebuch fällt mir beim Aussuchen noch in die Hand: „Geschichten aus dem Speisewagen“ von Torsten Körner. Er ist wie ich viel mit der Bahn unterwegs. Und hat dabei so allerhand Geschichten erlebt.
Gestandene Geschäftsmänner erzählten ihm im Speisewagen von ihren Krisen, ältere Ehepaare von ihren Ritualen. Einen DDR-Zirkusartisten lernte er kennen, der sich nicht am Trapez, sondern ausgerechnet bei einem Unfall mit dem Trabi die Lendenwirbel brach. Und er traf einen Seemann, der heulte, weil er bald wieder Monate lang von seiner Freundin getrennt sein würde.

„Die schönsten Frauen fahren zweiter Klasse“, lautet Körners Fazit. Und: „Wir alle sind unterwegs und warten auf den nächsten Zug.“

Das stimmt. Also rein mit dem Buch in den Koffer.

Und was lesen Frauen im Urlaub? Da kenne ich mich nicht so gut aus. Daher frage ich Christine Kranz, Referentin bei der Stiftung Lesen. Sie empfiehlt für die diesjährige Sommerreise: „Der Liebeszauber des Monsieur Ladoucette“ von Julia Stuart. Es sei ein leicht lesbares Gute-Laune-Buch, meint sie.

Ich hoffe sehr, dass es stimmt. Wäre auch für mich nicht schlecht, wenn meine Frau im Urlaub gut drauf ist.
Also lege ich das Buch betont unauffällig in Koffernähe.

Und welche Tipps für die Urlaubslektüre haben Sie?

Sollten Sie noch interessante Vorschläge haben, schreiben Sie es doch bitte unter „Leserkommentare“ für uns auf. Sicherlich sind Ihnen andere, die sich noch nicht so recht für die Urlaubslektüre entscheiden konnten, dankbar dafür.

Na dann: Schönen Urlaub!
Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 26.8.2010 um 16.58 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 29.08.2010 12:14:

Mein Favorit in diesem Urlaub war "Die Bücherdiebin" (Markus Zusak und Alexandra Ernst) - ein hinreißendes Buch!
Auch sehr gut gefallen hat mir von David Grossman: "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" - eigentlich keine so leichte Urlaubslektüre, aber wenn Sturm und waagrechter Regen über die Dünen und um das Ferienhaus tost, kann man sich schon auch mal in die Probleme einer israelischen Mutter, deren Sohn im Einsatz ist, versenken.
Allerdings haben beide Bücher ein ziemliches "physisches" Gewicht - also nix für reine Rad- oder Wandertouren.

Ruckzuck schrieb am 30.08.2010 09:35:

Dicke, schwere Bücher? Ich sag nur: E-Book. Zumindes für unterwegs ideal.

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