Evangelische Medientage
Deutschland bleibt Leseland
Für religiöse Literatur gibt es in Deutschland ein anhaltend großes Leserinteresse. Das machten Referenten bei den 5. Evangelischen Medientagen in Gotha deutlich. Demnach ist der Markt für Bücher zu spirituellen Themen und zur Orientierung in Glaubens- und Lebensfragen riesig. 86 000 Erstauflagen religiöser Titel pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache.
Generell bleibt Deutschland trotz des Internets nach wie vor Leseland. Im Gegenteil: Das Internet erhöht die Reichweiten und macht auf den Mehrwert, den Zeitungen und Bücher bieten, aufmerksam. Nach Angaben von Andreas Wiehle vom Axel Springer Verlag werden hierzulande täglich 26 Millionen Zeitungen gelesen.
Hinzu kommen die Wochen- und Monatszeitschriften - unter ihnen auch die evangelischen und katholischen Sonntagszeitungen, die trotz Rückgängen immer noch rund 2, 5 Millionen Leserinnen und Leser wöchentlich erreichen.
Im Gesamtumsatz des deutschen Buchhandels hat der Anteil religiöser Bücher sogar zugelegt. Man könnte sagen: So viel Religion war selten.
Neben vielen Titeln, die allgemein Religiosität oder Fragen ethischer Orientierung thematisieren, finden sich auch viele dezidiert christliche Titel wie das Buch „Gott“ von Manfred Lütz, Jörg Zinks Alterswerk „Gottesbegegnung“ oder die zahlreichen Bücher von Anselm Grün, Notker Wolf oder Margot Käßmann und anderen.
Auch die jüngste Debatte über die Alkoholfahrt und den Rücktritt Käßmanns hat zum Nachdenken über Glaubwürdigkeit und Glauben geführt. Eins ist jetzt schon sicher: Margot Käßmanns Gewissheit „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand“ hat die Menschen berührt.
Die Befragungen des „Religionsmonitors“ der Bertelsmann-Stiftung haben gezeigt, dass Bücher mit christlichen Themen noch ein erheblich höheres Potenzial haben als sie bisher erreichen.
Demnach sind etwa zehn Prozent der ca. 25 Millionen Protestanten an christlicher Literatur interessiert.
Der Anteil katholischer Leserinnen und Leser ist etwa gleich hoch. Das heißt: Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland sind generell für spirituelle Themen ansprechbar.
Auch andere Untersuchungen belegen, dass es nicht mehr – wie vor 20 Jahren – peinlich ist, über Religion zu diskutieren und zu seinem eigenen Glauben zu stehen. Über Gott zu sprechen oder zu schreiben ist normal geworden. So plant jetzt auch die „Zeit“ eine eigene Seite mit dem Thema „Religion“.
Die kleineren Verlage haben es dennoch schwer, ihre Titel im Buchhandel platzieren zu können. Aus diesem Grund wollen die im Evangelischen Medienverband in Deutschland (EMVD) zusammen geschlossenen Verlage künftig Vertriebskooperationen bilden.
Sie beabsichtigen außerdem, für die evangelischen Zeitungen eine Zukunftsstrategie zu entwickeln, wie sie ihre Druck- und Onlineausgaben – etwa unserekirche.de - stärker miteinander verzahnen können.
Im Unterschied zu den Internetangeboten von Landeskirchen und EKD müssen sie die evangelischen Verlage und Presseverbände ihre Online-Auftritte im Wesentlichen aus Printerlösen refinanzieren.
Wolfgang Riewe
Dieser Beitrag wurde am 14.3.2010 um 07.30 Uhr veröffentlicht.
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