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Reformationsfest 2010

ChurchNight statt Halloween

Sonntag, 31.Oktober, kurz vor zehn in der Fußgängerzone von Bielefeld. „Warum läuten denn die Glocken?“ fragt ein Mädchen, etwa 14, ihre Freundin. „Das weißte nicht?“ murmelt diese über ihr Handy gebeugt, „heute ist doch Halloween!“

Da bleibt einem die Spucke weg. Offensichtlich sind Werbestrategen und Marketingagenturen inzwischen ziemlich erfolgreich mit ihrem Projekt, die aus den angelsächsischen Ländern stammende Halloween-Tradition auch in Deutschland heimisch zu machen.

Reformationsfest, Martinssingen – alles scheint plötzlich Schnee von gestern zu sein.

Zum ersten Mal gab es in Deutschland ein Sonntagsshopping am Reformationsfest, das mit den Halloween-Umtrieben verbunden wurde. In Bielefeld hatte die Werbeagentur Eigenrauch und Partner zum verkaufsoffenen Sonntag am 31.Oktober alle Läden in der Innenstadt mit Gruseldeko, Hexenbesen und Kürbissen ausgestattet.

Die Kinder durften mit gruseligen Verkleidungen durch die Stadt ziehen.

Manche fanden es gut, dass sie für den neuen Brauch keine Laternenlieder mehr einzuüben brauchten. Sie konnten sich einfach damit einen Spaß machen, Erwachsene zu erschrecken und zu fordern:„Süßes - sonst gibt’s Saures“.

Doch es gibt auch eine Gegenbewegung zu dem sich ausbreitenden Halloween-Brauch.

Halloween feiern? Für Kira, Nancy und Jeanette ist das keine Frage. Natürlich nicht“, sagt Nancy Eggert (17). „Bei uns in Porta Westfalica gibt’s die ChurchNight.“ Zu deutsch: Kirchennacht.

„Damit feiern wir den Geburtstag unserer Kirche“, erklärt Nancy. Und Kira Horstmann (20) ergänzt: „Wir wollen über die Reformation aufklären und lieber das feiern als Halloween.“

Die drei Jugendlichen organisierten auch in diesem Jahr in ihrer Kirchengemeinde in Lerbeck-Neesen in Porta Westfalica die ChurchNight.

Am Reformationsfest luden sie andere Jugendliche am Spätnachmittag in die Kirche ein.

Was man sich unter einer ChurchNight vorzustellen hat, verriet Jeanette Thielkemeyer (17) UK-Redakteurin Karin Ilgenfritz: „Erst gibt es etwas zu essen. Dann spielt eine Band, es gibt Aktionen, ein Anspiel eine Predigt und verschiedene Gebetsstationen“. Nancy ergänzt: „Die kommen bei den Jugendlichen besonders gut an.“

In vielen Orten in Westfalen und Lippe fanden am Reformationstag ähnliche Veranstaltungen statt.

Unter anderem in Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Bielefeld-Jöllenbeck, Gevelsberg, Hamm, Kalletal Hohenhausen, Lippstadt, Schalksmühle, Spenge, Versmold und Werdohl. ´

In der aktuellen Print-Ausgabe von UK ( Nr. 44 zum 31. Oktober 2010) können Sie mehr über die ChurchNight lesen. In diesem Jahr wird sie in ganz Deutschland mehr als 1000-mal gefeiert.

Keine Gespenster und Hexen stehen hier im Mittelpunkt, sondern das Wort Gottes und der Schatz des Glaubens, den Martin Luther und die anderen Reformatoren neu zum Leuchten gebracht haben.

Diesen Schatz für unser heutiges Leben neu zu entdecken, finden Kira, Nancy und Jeanette viel spannender als Halloween feiern. Recht haben sie.

Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 1.11.2010 um 10.32 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
knonair schrieb am 03.11.2010 11:46:

Offensichtlich ist es schon wieder gelungen, einen ursprünglich christlichen Anlass durch kommerzielle Ziele umzudeuten:

Halloween meint "All Hallows’ Even" (der Abend der Heiligen), ein Fest am Vorabend von Allerheiligen in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November. Ursprungsland ist wahrscheinlich Irland. In den USA ist Halloween neben Weihnachten und dem Thanksgiving-Fest eines der wichigsten Feiern.

Kirchen und Christen haben über Jahrhunderte die Bildung und Kultur in ihrem Umfeld geprägt. Kann diese prägende Kraft zurückgewonnen werden? Und wie könnte dies geschehen?

Sicherlich ungeeignet sind dabei Verulkungen wie sie der NDR in diesem Jahr anbot: "Hallo Wien - Aber wieso grüßen wir nur die Wiener?"

Glybyrne schrieb am 03.11.2010 13:15:

warum regt sich die kirche so über halloween auf? ist blöd, kommerziell etc. klar aber jetzt tut man so als ob das neue "fest" dem reformationstag das wasser abgraben würde. ist doch quark. auch vor halloween hat sich doch kaum noch einer für luther & co interessiert. hat was von schwarzer peter spiel

Schallblech schrieb am 03.11.2010 15:44:

Ich finde es jedenfalls gut, daß es auch Alternativen gibt wie Churchnight (Englisch muß der Titel wohl sein ^^). Mit Meckern kriegt man niemanden in die Kirche, da muß man schon etwas anbieten.

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