Anschläge auf Kirchen in Nigeria
Blinder Hass auf Christen
Während die Christen in den meisten Ländern der Welt ein friedliches Weihnachtsfest erleben durften, mussten christlichen Gemeinden in Nigeria erneut unter einer Welle der Gewalt leiden.
Islamisten der Gruppe Boko Haram, die dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestehen, töteten am ersten Weihnachtstag durch Bombenattentate mindestens 40 Kirchgänger. Am frühen Morgen des 1. Wehnachtstages detonierte vor der St.-Theresa-Kirche in Madalla nahe der Hauptstadt Abaju eine Autobombe.
Die katholische Kirche, die bis zu 1000 Menschen, fasst, wurde schwer beschädigt.
Mindestens 35 Menschen starben, mehr als 50 wurden verletzt. Viele von ihnen konnten erst nach längerer Zeit versorgt werden, weil für die große Anzahl der Verletzten nicht genügend Krankenwagen zur Verfügung standen.
Ein weiterer Sprengsatz detonierte vor einer evangelikalen Kirche in Jos in Zentralnigeria.
Auch in Gadaka und Damaturu im Nordosten Nigerias zündeten die Attentäter der Boko Haram Bomben. Bereits Weihnachten 2010 hatten sie bei einer Serie von Attentaten 32 Menschen getötet und 74 verletzt.
Der Name der Gruppe Boko Haram bedeutet „Alles Westliche ist verboten“.
Der Name macht deutlich, dass sie den Einfluss des Westens zurückdrängen und in Nigeria einen radikalislamischen Gottesstaat errichten will. Mit ihren Angriffen auf Kirchen provoziert die Terrorgruppe den derzeitigen Präsidenten Goodluck Jonathan, der ein aus dem Süden des Landes stammender Christ ist.
Jonathan wurde Präsident, weil der frühere muslimische Präsident vor Ablauf seiner Amtszeit starb.
Jonathan gewann die Wahlen, hat aber im muslimisch geprägten Norden viele Gegner, weil sich die Menschen dort gegenüber dem christlich geprägten Süden benachteiligt fühlen. Der Präsident beschwor die Menschen Nigerias nach den blutigen Anschlägen, als Nation „zusammen zu stehen.“
Ziel der Islamisten dagegen ist es, immer mehr Hass und Misstrauen zwischen dem muslimischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden zu schüren und so das Land zu destabilisieren.
Boko Haram lehnt die westliche Kultur und das Christentum ab und will in ganz Nigeria den Islam und als Rechtsordnung die Scharia einführen.
Kein denkbares Ziel aber rechtfertigt solche grausamen Taten.
Sie sind auch durch den Islam nicht gedeckt. Besonders verabscheuungswürdig sind sie vor allem deshalb, weil sie sich gegen Menschen richten, die sich an einem ihrer Hauptfeste friedlich zu einem Gottesdienst versammeln, unter ihnen viele Kinder.
Politisch gesehen ist der Konflikt vor allem deshalb bedrohlich, weil die Gefahr besteht, dass Nigeria als Staat auseinander bricht und ein weiterer Kriegsherd in Afrika ausbrechen könnte.
Da die radikalislamischen Boko-Haram-Rebellen Nigerias inzwischen offenbar mit ähnlich agierenden Gruppen der al-Qaida im Maghreb und mit Al-Shabaab-Kämpfern aus Somalia zusammen arbeiten, ist außerdem die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Angriffe gegen Christen auch auf andere Länder Afrikas ausweiten.
Bisher herrscht große Ratlosigkeit, wie dieser Entwicklung zu begegnen ist.
Vor ihr die Augen zu schließen ist allerdings keine Lösung.
Wolfgang Riewe
Bomben gegen die »Ungläubigen«
Dieser Beitrag wurde am 28.12.2011 um 09.53 Uhr veröffentlicht.
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