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2011 war ein Krisenjahr

Aus Krisen können Chancen werden

Foto: Mentalrai

Foto: Mentalrai

Fukushima, Utoya, Lampedusa, Dadab, Athen – 2011 war zweifellos ein Jahr der Krisen und Katastrophen. Kann man diesem Krisenjahr auch etwas Positives abgewinnen?

Können aus Krisen vielleicht sogar Chancen werden? – Nehmen wir drei der wichtigsten Ereignisse heraus: Den „Arabischen Frühling“, die Atomkatastrophe von Fukushima, und die Euro-Krise.

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„Der Arabische Frühling“:
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In Tunesien verbrennt sich im Januar ein von einer Ordnungshüterin gedemütigter Obsthändler auf offener Straße. Der junge Mann, der angesichts der Willkür eines autoritären Staates keine Hoffnung auf Besserung seiner Lage mehr sieht, löst damit einen Aufstand in der ganzen arabischen Welt und den Sturz mehrerer Diktaturen aus.

Als erster wird Tunesiens Diktator Ben Ali entmachtet. Er flieht mit seiner Familie aus dem Land. In Ägypten fegen junge Revolutionäre innerhalb von 18 Jahren das Regime Mubarak weg. Und in Libyen gewinnen die Rebellen mit Hilfe der Nato den Aufstand gegen Muammar al-Gaddafi, der das Land 42 Jahre lang autoritär beherrschte.

Trotz aller euphorischen Erwartungen westlicher Medien an einen nun einsetzenden Demokratisierungsprozess folgt dem „arabischen Frühling“ aber zunächst noch kein Demokratie verheißender Sommer.

Organisationen wie die Muslimbrüder – noch radikaler die Salafisten – kommen in Ägypten an die Macht.

Statt einer Demokratie nach westlichem Vorbild haben sie eher eine Religionsdiktatur unter dem grünen Banner des Islam im Sinn. Minderheiten wie die koptischen Christen spüren als erste ihre Repressalien. Immer wieder gibt es Angriffe auf Kirchen.

Dennoch geben vor allem die vielen jungen Menschen, die in Ländern wie Ägypten oder Syrien auch jetzt noch auf die Straße gehen, um für ihre Rechte zu demonstrieren, Anlass zur Hoffnung.

Auf Dauer werden sie sich weder eine Militär- noch eine Religionsdiktatur gefallen lassen.

Wenn sie es lernen, sich in Parteien zu organisieren , bestehen gute Aussichten, dass die Saat der Demokratie in ihren Ländern in absehbarer Zeit noch aufgehen wird.

Tunesien etwa könnte ein Beispiel dafür abgeben, wie ein Land islamischer Prägung sich dennoch demokratischen Reformen öffnet.

Hier ist schon eine positive Entwicklung im Gang. Marokko und Jordanien könnten diesem Beispiel bald folgen, nach einigen Umwegen etwas später auch Ägypten.

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Der Tsunami und der Atomunfall in Japan:
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Wie auch aus einer schlimmen Katastrophe richtige Lehren gezogen werden können, bewies im vergangenen Jahr die deutsche Bundesregierung. In Japan hatte ein Erdbeben und Tsunami ganze Landstriche zerstört und in den nuklearen Reaktoren von Fukushima eine Kernschmelze verursacht.

Weltweit zerstörte der Atomunfall noch etwas ganz anderes: Illusionen.

Die Illusionen vieler Politiker, die immer davon ausgegangen waren, dass das Restrisiko der Atomkraft sehr gering sei. Fukushima führte aller Welt vor Augen, dass die Atomkraft letztlich nicht vom Menschen beherrschbar ist.

In Japan mussten über 100.000 Menschen die verstrahlte Sperrzone um Fukushima verlassen.

Für Jahrzehnte werden nun wohl Menschen hierher nicht mehr zurückkehren können.

Deutschland reagierte wie kein anderes Land auf die Katastrophe von Fukushima: „Es ist vorbei“, sagte Angela Merkel, als sie im Fernsehen die Explosion eines Reaktorgebäudes von Fukushima sah.

Sie ordnete vier Tage nach dem Erdbeben an, die sieben ältesten deutschen Kernkraftwerke umgehend für eine Sicherheitsprüfung vom Netz zu nehmen.

Von nun an ist ihr Ziel „der beschleunigte Ausstieg aus der Atomenergie“.

Nach heftiger Diskussion im Parlament und der Beratung durch eine Ethik-Kommission stimmte der Bundestag mit den Stimmen der Grünen und der SPD dem Ausstiegsgesetz zu.

Der Atomunfall in Japan hat also zu einer Energiewende in Deutschland geführt.

Bis zu einem endgültigen Ausstieg sind zwar noch viele Probleme zu lösen: So wird es noch Jahrzehnte dauern, bis der Atommüll und die verstrahlten Anlagen sicher entsorgt sind. Außerdem sind enormen Anstrengungen nötig, um in den nächsten Jahrzehnten den Anteil erneuerbaren Stroms von heute ca. 20 Prozent auf über 80 Prozent zu steigern.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen u.a. neue Stromleitungen gebaut werden. Mit heftigem Widerstand ist zu rechnen.

Das Abschalten der Atomreaktoren hat außerdem zur Folge, dass mehr Kohlestrom erzeugt werden muss. Damit werden auch die Kohlendioxid-Emissionen größer. Und teurer wird es auch.

Durch Leitungen und Speicher sind Milliarden-Investitionen notwendig, für die am Ende die Stromkunden aufkommen müssen.

Dennoch ist die nach Fukushima beschlossene Energiewende richtig, so aufwändig sie auch sein mag.

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Die Euro-Krise:
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Ein drittes Thema beschäftigte 2011 die Öffentlichkeit in besonderem Maße: Die Euro-Krise. Zwar ist sie eigentlich gar keine Krise der gemeinsamen Währung, sondern eher eine Schuldenkrise der europäischem Staaten. Doch auf Dauer stellt sie auch ihre gemeinsame Währung in Frage.

Die Bewältigung der Krise sollte zunächst 110 Milliarden Euro kosten.

So teuer war das Hilfspaket für Griechenland. Schon nach kurzer Zeit wurde dieses dann durch einen noch größeren Rettungsschirm ergänzt, unter den auch Portugal und Irland schlüpfen konnten.

Als die Abgeordneten des Deutschen Bundestages Ende September über diesen erweiterten Schirm abstimmten, muss selbst den Befürwortern flau im Magen gewesen sein. Denn allein Deutschland haftet für den Rettungspakt mit 211 Milliarden Euro.

Eine schier unglaubliche Summe.

Auch wenn es viele Politiker nicht wahrhaben wollen: Die Einführung einer Währungsunion ohne einheitliche Wirtschafts-und Finanzpolitik ist ein verhängnisvoller Fehler gewesen. Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern waren einfach zu groß.

Als die Stabilitätskriterien ihre Geltung verloren, geriet auch die gemeinsame Währung immer mehr in die Krise.

Obwohl sich die deutsche Kanzlerin dagegen stemmte, wandelte sich die Währungsunion allmählich immer mehr zu einer Schuldengemeinschaft.

Vorher war dies eigentlich ausgeschlossen worden.

Doch weil man die Euro-Zone nicht auseinanderbrechen lassen wollte, müssen nun doch die stärkeren Länder für die schwächeren haften. Besonders hart wird es sie treffen, wenn die von der Europäischen Zentralbank aufgekauften Staatsanleihen nicht oder nur zu einem Teil von den Schuldnerländern zurückgezahlt werden können.

Doch auch diese Krise hat eine positive Seite.

Je mehr sie sich verschärft, desto größer wird der Zwang zu durchgreifenden Strukturreformen. Länder wie Irland – und neuerdings auch wieder Großbritannien – beweisen, dass es unter dem immensen Druck zu Reformen kommen kann, die ohne die Krise wohl undenkbar gewesen wären.

Selbst die Regierungen in Italien, Spanien und Griechenland setzen jetzt Sparhaushalte durch, die vorher keiner für möglich gehalten hätte.

Und auch in Deutschland, dessen Staatsschulden 2011 auf die Rekordsumme von zwei Billionen und 27, 5 Milliarden Euro stiegen, wird endlich eine „Schuldenbremse“ vereinbart.

Welche Schlüsse man daraus ziehen kann?

Zum einen: Menschen verändern oft erst in der höchsten Not ihr Handeln. Und zum anderen: Jede Krise birgt die Chance zu einem neuen Anfang.

Wenn die Regierungen der Euro-Länder demnächst wieder lernen, mit ihrem Einkommen – unseren Steuern - auszukommen, sie Schulden abbauen und die Union zu ihren anfänglichen Stabilitätskriterien zurückkehrt, kann Europa die Krise überwinden und seine alte Stärke zurückgewinnen.

Entscheidend dafür wird sein, dass der Druck zu durchgreifenden Reformen erhalten bleibt und auch die Bevölkerung vom Staat nicht immer neue Leistungen erwartet.

Dass trotz der tiefgreifenden Schuldenkrise europäischer Staaten für 2012 durchaus Anlass zu Optimismus besteht, zeigt ein Blick in die deutsche Wirtschaft. Nachdem im Herbst 2008 den Unternehmen durch die Finanzkrise viele Aufträge verloren gegangen waren, verbuchte sie 2011 wieder Rekordumsätze und Gewinne.

Finanzminister Schäuble kann sich über ein Steuerplus freuen und muss weniger Schulden aufnehmen als geplant.

Auch die Zahl der Arbeitssuchenden ist weiter gesunken. Und Fachkräfte sind wieder gefragt.

Von wegen Krisenjahr - die deutsche Wirtschaft sieht 2012 mit Optimismus entgegen: Die Zahl der Beschäftigten ist so hoch wie nie, die Kapazität der Industrie überdurchschnittlich ausgelastet, der Export boomt, die Inlandsnachfrage auf hohem Niveau.

Eine Rezession ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt also nicht zu erwarten.

Wer hätte das angesichts der Turbulenzen dieses Jahres für möglich gehalten? Aus Krisen können Chancen werden.

Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 1.1.2012 um 13.02 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Christoph Hartlieb schrieb am 02.01.2012 07:37:

Aus Krisen koennen Chancen werden,
heisst eine Folgerung auf Erden.
Doch hat sich andrerseits erwiesen,
aus Chancen werden manchmal Krisen.

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