Veterinär-Psychologie
Tiere am Arbeitsplatz
Nachmittags in der Redaktion. Die Konzentration hat ihren Tiefpunkt erreicht. Und schon ist er da, der Alptraum derer, die der schreibenden Zunft angehören: die Schreibblockade.
Und dann ist da noch dieser Ausblick. Der hilft beim Schreiben auch nicht wirklich weiter. Der vierte Stock hier im Evangelischen Medienhaus bei UK zeichnet sich nun mal dadurch aus, dass er sich weit oben befindet. Egal, aus welchem Fenster man sieht, der Ausblick ist grandios. Na ja, zumindest sehr schön. Links der Teutoburger Wald, rechts der Blick ins Flachland mit seinen Wiesen und Weiden, gegenüber die Kirche – da wird sogar Bielefeld-Brackwede richtig idyllisch.
Schreibblockade - Ausblick.
Eine gefährliche Mischung. Wenn die Konzentration ihren Tiefpunkt erreicht hat, nun ja, dann schweift der Blick eben in die Ferne. (Siehe oben.) Und die Gedanken wandern schon mal vor, nach Hause: Muss ich noch den Abwasch machen? Koche ich mir erstmal einen Kaffee? Oder geh ich spazieren?
Da ist er wieder, der innere Schweinehund.
Man hat ja heute schon viel geschafft, und man ist ja auch schon früh aufgestanden. Und überhaupt, die Sonne scheint so schön…
Herrschaftszeiten, wie soll man denn da arbeiten, wenn der innere Schweinehund so an der Leine zerrt? Noch dazu, wenn das leuchtende Vorbild in Sachen Produktivität sich längst vom Schreibtisch gegenüber in den Feierabend verabschiedet hat?
Und überhaupt: Tiere am Arbeitsplatz sind nicht erwünscht! Tja, mein Schweinehund schert sich nicht drum.
Kennen Sie das? Der innere Schweinehund meldet sich meist dann zu Wort, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Und sträubt sich gegen alles, was richtig oder gesund ist. Wie wird man bloß mit diesem Untier fertig? Man ist ja schließlich zum Arbeiten da, auch als Praktikantin. Einfach nachgeben ist nicht. Es käme doch irgendwie schlecht an, wenn man sich frühzeitig mit den Worten in den Feierabend verabschieden würde: »’Tschuldigung, ich muss noch mit dem Hund raus.«
Wahrscheinlich muss man den Schweinehund austricksen. So, dass er es nicht merkt. Also…
Lieber innerer Schweinehund: Hol das Stöckchen! Und lass dir viel Zeit, ich habe noch zu arbeiten!
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Artikel wurde geschrieben von Julia Geisweid (23). Julia studiert Geschichte und Evangelische Theologie an der Universität Bielefeld. Zurzeit leistet sie ein Praktikum in der Redaktion von UK.
Dieser Beitrag wurde am 6.5.2010 um 11.07 Uhr veröffentlicht.
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