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Stracks in den Abgrund!

<b>Je steiler desto besser! </b>Foto: Patrizia Tilly

Je steiler desto besser! Foto: Patrizia Tilly

Uuund los! Der Schnee stäubt, die Kufen zischen, der Wind pfeift im Gesicht – Schlittenfahren macht so viel Spaß!

Als Kinder hatten wir die »Todesbahn« und die »Höllenbahn«. Steile Abfahrten über schmale Waldwege, auf denen man zwischen den Bäumen Slalom fahren musste. Wer da nicht lenken konnte, war verraten und verkauft! Aber was machte schon eine verstauchte Hand oder ein Ratscher im Gesicht, wenn es doch um Höchstgeschwindigkeit und die pure Lust am Leben ging ...

Die Kleinen hielten sich auf der Wiese.

Auch da konnte es ziemlich zur Sache gehen, wenn die Bahn von den vielen Schlitten glattgefahren war. Ein Sturz in den vereisten Schnee ist keine angenehme Erfahrung – das weiß jeder, der schon einmal mit dem Gesicht voran vom Schlitten gefallen ist. Andererseits wird man auf Erfahrungen klug.

Und Übung macht den Meister.

Nun hat der Verband der Kinderärzte vorm Schlittenfahren gewarnt: Viel zu gefährlich! Auf keinen Fall ohne Helm! Und vereiste Hänge oder steile Abfahrten ganz meiden!

Ja, geht’ noch?

Was kommt wohl als nächstes: Baden nur noch mit Pressluftflaschen? Kaffeetrinken mit Ganzkörper-Hitzeschutz? Atmen am besten ganz einstellen?

»Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich«, hat Erich Kästner einmal gedichtet.

Ich werde mir heute Nachmittag den steilsten Abhang suchen und dann: Stracks in den Abgrund! Ohne Helm und ohne schlechtes Gewissen! Lenken habe ich schließlich als Kind gelernt ...

Anke von Legat

Dieser Beitrag wurde am 20.12.2010 um 11.46 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 21.12.2010 08:07:

Dazu fällt mir ein Text ein, der im Internet kursiert - hoffentlich ist er nicht zu lang:
Wir waren Helden

Was machte unsere Kindheit aus und warum war sie anders als die heutiger Kinder? Dieser Text bringt es auf den Punkt:

Wir waren Helden. Wenn du nach 1979 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun.

Kinder von heute werden in Watte gepackt!

Wenn du als Kind in den 70er oder 80er Jahren lebtest (oder den 60ern. Anmerkung von Schallblech), ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.

Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.

Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen uns Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach „Aufsichtspflicht“. Kannst du dich noch an „Unfälle“ erinnern?

Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir hatten nicht:

- Playstation

- Nintendo 64

- X-Box

- Videospiele

- 64 Fernsehkanäle

- Filme auf Video

- Surround Sound

- eigene Fernseher

- Computer

- Internet-Chat-Rooms

Wir hatten Freunde!!!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten.

Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein.

Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns.

Wie war das nur möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!

Unsere Generation hat einige Fälle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen.

Und du gehörst auch dazu.

Herzlichen Glückwunsch!

Ruckzuck schrieb am 21.12.2010 09:41:

"Ja!", möchte man da lauthals schreien und zustimmen. Leider ist das nur die halbe Wahrheit: Diese (unsere) Generation hat leider auch diejenigen hervorgebracht, die das alles verändert haben. All die hyperkorrekten, überbeflissenen, political correcten Gutmeiner, die am Ende immer nur EIN Argument gelten lassen: die eigene Weltsicht (mir fällt da spontan eine ehemalige Bundesjustizministerin ein ...)

Wieland schrieb am 21.12.2010 09:43:

... und ungefähr 1 00 tausend tief bewegte aus der Kirche.

Schallblech schrieb am 21.12.2010 10:41:

Ääähm Ruckzuck - ich hab mal gehört, das wären die Sprößlinge der 68er. Die waren schon in den 50er Jahren Kind... *feix*

Annemarie Menke schrieb am 21.12.2010 11:12:

...Ja ja. Früher war ja alles besser! Oder vielleicht doch nicht?!

Pirol schrieb am 21.12.2010 13:30:

@ Schallblech: Ich befürchte, dass waren nicht erst die Sprößlibnge der 68er sondern die 68er selbst.

ankele schrieb am 21.12.2010 13:38:

Nachtrag: Ich WAR gestern nachmittag Schlitten fahren, mit der ganzen Familie. Wir SIND die steilsten Hänge runtergesaust - und, ja: Wir sind umgekippt, die Kinder haben sich weh getan und haben geweint und wollten NIE WIEDER Schlitten fahren!!! - Keine fünf Minuten später saßen sie wieder drauf und hatten Spaß. So soll's doch sein, oder?

Viele Grüße, Anke von Legat

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