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Sonne im Herzen

<b>Ja, DA hat der Frost keine Chance:</b> entweder vierzig Pfund allerfeinster Outdoor-Klamotten - oder ein sonniges Gemüt. Foto: gmh

Ja, DA hat der Frost keine Chance: entweder vierzig Pfund allerfeinster Outdoor-Klamotten - oder ein sonniges Gemüt. Foto: gmh

Dieser Winter soll ja nun WIRKLICH kalt werden. Und LANG andauern. Da braucht man warme Klamotten. Oder ein sonniges Gemüt.

Heute morgen, 8:30. Ich steig aus der S-Bahn. Drei Stufen, die man im Sommer in einem einzigen Sprung nehmen kann. Bei Minusgraden lässt man das lieber bleiben: Der Frost verwandelt alles in eine Rutschbahn.

Also klettere ich – gemach, gemach – die Trittleiter hinunter. Meine Wanderschuhe sind zwar schön warm, aber die schwere Profilsohle kommt mit der Glätte des festgefahrenen Schnees auf der Fahrbahn dann doch nicht so gut zurecht.

Und mein superdicker Daunenparka ist auch nicht gerade förderlich für die notwendigen Zuck- und Ruckbewegungen des Oberkörpers, um das Gleichgewicht zu halten. Die tröstende Aussicht: Wenn ich falle, dann wenigstens auf dicke Daunenpolster.

Neben mir jumpt eine blutjunge Kollegin aus der Bahn. Hurtig, gelenkig. Wie macht die das bloß? Kurzer Gruß, dann entschwebt sie Richtung Medienhaus. Derweil ich es mal gerade bis zu den aufgeschütteten Schnee-Barrikaden geschafft habe, die den Zugang vom Bürgersteig abtrennen.

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Die junge Dame scheint
nicht mal zu frieren

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Die junge Kollegin scheint nicht mal zu frieren. Dabei hat sie bloß einen Bruchteil der Kleidungsmenge an, mit der ich mich gegen die grimmigen Temperaturen wappne: leichte Jacke statt Parka, so wie es aussieht höchstens EINEN Pullover darunter. Keine Fleece-Weste. Oder Gore-Tex-Handschuhe. Nicht mal ne Ski-Hose. Na, und die Wollmütze ist ungefüttert und hat keine Ohrenklappen. (Seeehr fahrlässig. 80 Prozent der Körperwärme entfliehen nämlich über die Kopfhaut.)

Ich haste hinterher. »Äh, Guten Morgen!« Freundliches Nicken. »Sag mal, frierst du gar nicht?« Strahlendes Lächeln. Kurzes Kopfschütteln unter der Wollmütze. »Nein«, antwortet die junge Kollegin, »warum sollte ich?« »Naja«, bemühe ich mich um einen väterlichen Ton – immerhin ist die Dame vermutlich fast ... na, lassen wir das, wie viele Jahre sie jünger sein könnte als ich; solche Überlegungen stürzen mich regelmäßig in die Depression.

Also noch mal: »Naja«, bemühe ich mich um einen KAMERADSCHAFTLICHEN Ton. »Deine Schuhe zum Beispiel.« Sie blickt nach unten, auf ihre Füße. »Die sehen gar nicht so warm aus«, erkläre ich meine Bedenken und deute zum Vergleich auf meine klobigen Bergtreter. »Eher ...«, ja will soll man dieses hauchdünne, schreiend bunte, schnürsenkelflatternde Etwas da an den Füßen der jungen Dame beschreiben? »Eher ... elegant.«

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Wie sagt man einer Frau, dass
ihre Schuhe nicht ... angemessen sind?

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Puh, da ist mir ja doch noch ein Wort eingefallen, das in aller Vorsicht umschreibt, wie unpraktisch diese Dinger bei dem Wetter sind.

Wenn die Kollegin vorher schon ein strahlendes Lächeln gezeigt hat, jetzt wird es zur perfekten Zahnpastawerbung. »Elegant« war pädagogisch betrachtet wohl doch nicht deutlich genug. »Ja«, STRAHLT sie, »und so kalt sind die auch gar nicht«.

Da bin ich echt beruhigt.

»Höchstens ein bisschen nass.«

Häh? Mein Gesichtsausdruck muss wohl auch ohne Worte deutlich genug zu verstehen gewesen sein.

»Ja«, sagt die junge Kollegin und blickt verliebt zu ihren eleganten Designer-Turnschuhen hinab, »die haben nämlich inzwischen lauter Knickstellen und Löcher. Da kommt der Schnee und das Schmelzwasser rein.«

O sorgenlose Jugend. Setzt einfach einfach dein sonniges Gemüt und deine Unbekümmertkeit gegen die Kälte dieser Welt.

Da können auch vierzig Pfund allerfeinster Outdoor-Kleidung nicht mithalten.


gmh

Dieser Beitrag wurde am 15.12.2010 um 12.42 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 15.12.2010 14:24:

Schaff dir nen Hund an. Dann mußt du regelmäßig raus und gewöhnst dich an die Kälte.

ankele schrieb am 15.12.2010 14:34:

Gröööööhl - der Kollege mit einem Hund ... sehr gut, Schallblech! Ich sehe ihn vor mir ... mal überlegen, was da passen würde: Mops? Rauhaardackel? Oder doch lieber Bluthund? ;)

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