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Winterfluchten

Schnee. Chaos. Sidney.

<b>Ja, ja, der Teutoburger Wald. </b>Kollegin auf dem Weg zur Arbeit im Evangelischen Medienhaus Bielefeld.  (Original oder Fälschung?) Die Waden glühen schon vor Anstrengung. Foto: gmh

Ja, ja, der Teutoburger Wald. Kollegin auf dem Weg zur Arbeit im Evangelischen Medienhaus Bielefeld. (Original oder Fälschung?) Die Waden glühen schon vor Anstrengung. Foto: gmh

Ooch, wie haben wir uns als Kinder Schnee gewünscht. Jetzt ist er da! Und schon ist es uns AUCH wieder nicht recht.

Schnee ist toll - wenn man nicht zur Arbeit fahren muss. Statt heißa eine Schneeballschlacht heißt es dann: Staus, Rutschen (mir ist auf der Autobahn neulich eine prächtige Limousine mit Stern in den Wagen geknallt). Umwege oder warten. Da hilft auch kein Navi mehr.

Am besten steigt man um. Nämlich auf den öffentlichen Nahverkehr.

Aber auch Bus und Bahn haben bei diesem Wetter ihre Tücken. Gestern musste ich geschlagene 15 Minuten auf den Bus warten. Heute morgen zehn. Mir ist vor Kälte fast die Nasenspitze abgefallen.

Eine Kollegin ist gleich zuhause geblieben. Nachdem auf der Hauptbahnstrecke innerhalb von zwei Tagen zwei Züge entgleist sind (was vermutlich nicht an der Kollegin lag), ruhte still und starr nicht nur der See, sondern gleich der gesamte Zugverkehr. Ein Tag Zwangsurlaub.


Na gut, es hätte schlimmer kommen können.

Wie zum Beispiel im Fall eines jungen Mannes aus Brandenburg. (Die Geschichte liegt zwar bereits einige Zeit zurück, hat aber das Zeug zum Klassiker.) Der wollte dem bitteren Winter in Deutschland entfliehen. Schnell ins Internet, klick, klick. Ach, die Technik macht's einem ja heutzutage sooo leicht. (Stichwort: Navi. Der dürfte schon so manchen modernen Führerscheinneuling in die Pampa geschickt haben. Die jungen Leute LERNEN JA HEUTZUTAGE EINFACH NICHT MEHR DEN UMGANG MIT KARTE UND KOMPASS. Musste mal gesagt werden.)

Aber ich schweife ab.

Also: Der junge Mann und sein Internet. Stichwort »Sydney« eingegeben - so viel wusste unser Naseweis immerhin: In Australien ist es warm, ri-ch-tich warm. Noch ein paar Klicks. Und schon war der Flug nach Australien gebucht: Sommer, Sonne, Sand und Meer.


JA VON WEGEN!

Der Jüngling hatte in die Suchmaschine nämlich »Sidney«getippt statt »Sydney«. Ein Buchstabe - kleiner Unterschied. Großer Fehler.

Denn raten Sie mal, wo der Allerwerteste schließlich landete? Schon in »Sidney«. Nur liegt das nicht im heißen Australien, sondern im winterlichen Montana (Temperatur momentan: -24 Grad Celsius). Der Mann hatte einfach nicht gemerkt, dass er in die USA flog. Das fiel ihm nicht mal auf, als er in Portland, Oregon, zwischenlandete und in eine kleine Propellermaschine umgesetzt wurde.

Wenn wir auf dieser Internet-Homepage nicht alle dem christlichen Menschenbild verpflichtet wären, würde ich jetzt sagen: Soviel romantische Tagträumerei gehört einfach bestraft. Aber das sag ich natürlich NICHT.

Auch so schon war der Trip für den modernen Hans-guck-in-die-Luft wohl Strafe genug: Tiefster Winter in einer Bergbaustadt am Ende der Welt, kurz vor der Eiswüste Kanadas. Na, da hätte er auch zuhause bleiben können.

Und was lernen wir daraus?


1. Lehrt eure Kinder wieder den Umgang mit Karte, Kompass und am besten gleich auch mit Sextanten (nein, NICHT mit Bindestrich, das ist unmoralisch).

2. Schenkt ihnen spätestens zum 18. Geburtstag nicht nur ein Navigationsgerät fürs Auto, sondern auch Globus und Weltkarte.

3. Versucht ihnen behutsam beizubringen, dass man über so wichtige Dinge wie Reiseziele, Empfängnisverhütung oder die Wahl des richtigen Lebenspartners sich nicht nur im Internet informieren, sondern auch mit realen, lebenden Menschen unterhalten kann.


Und schließlich und endlich lernen wir noch etwas: Bielefeld, Verkehrs-Chaos, Schnee - das mag nicht gerade ein Wintermärchen sein. Aber es gibt echt Schlimmeres.


Artikel wurde geschrieben von gmh

Dieser Beitrag wurde am 7.1.2010 um 12.37 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Glybyrne schrieb am 11.01.2010 15:26:

wie "limousine mit stern", bist du dem sherif begegnet?

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