Tierische Einsichten
Nur für Schafe

Schaf sucht Hirte: das neue Hirtenbarometer im Internet. Da kannste suchen, biste schwarz wirst. Echt schaf ... Foto: gmh
Wir bei UK arbeiten ernsthaft. Ehrlich.
Wir schreiben Texte, wir organisieren, wir telefonieren, wir redigieren, wir recherchieren ... den lieben langen Tag, (fast) ohne Unterlass.
Das Internet spielt dabei eine wichtige Rolle. Fotos, Zitate, Zeitungsmeldungen, Adressen, Termine, Bahnverbindungen – es gibt nichts, was es nicht ausspuckt.
Oft ist das Gewünschte in der langen Liste, die die Suchmaschine hervorzaubert, dabei. Manchmal aber auch nicht. Und manchmal bekommt man Ergebnisse, die man gar nicht gesucht hat. Und eigentlich auch nicht finden wollte.
Zum Beispiel das »Hirtenbarometer«: eine Internet-Seite, auf der Gemeindeglieder (als »Schäfchen« bezeichnet“) ihre Pfarrerinnen und Pfarrer (resp. »Hirten«) bewerten können. Merkwürdig, finden Sie? Ich auch – selbst wenn die Idee der Seitenbetreiber gar nicht so schlecht ist:
Sie möchten es den »Schäfchen« erleichtern, einen guten »Hirten« zu finden – sei es in ihrer Wohnumgebung oder etwa im Fall eines Umzugs. Und sie möchten dazu einladen, sich über die Qualität ihrer Geistlichen in einer Art Forum auszutauschen. Das, so die Idee, könnte auch den »Hirten« helfen, ihre Arbeit zu verbessern.
Schön und gut. Aber funktioniert das ganze auch?
Eher nicht, scheint mir. Die meisten der eingetragenen Pfarrer (Pfarrerinnen muss man sich mitdenken, sie kommen in den Texten auf der Seite jedenfalls nicht vor) haben jedenfalls bisher noch keine Bewertung. Nur Berühmtheiten wie Papst Benedict XVI, Papst Johannes Paul II oder Kardinal Meisner kommen auf über hundert abgegebene Meinungen. Überhaupt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier doch deutlich mehr (konservative) Katholiken als Protestanten unterwegs sind.
Liegt es daran, dass sich evangelische Christen ungern als Schafe bezeichnen lassen? Dass sie lieber den direkten Kontakt zu ihren Pfarrerinnen und Pfarrern suchen, als ihnen über das Internet eine anonyme Botschaft zukommen zu lassen? Oder ist die Schnittmenge von Gottesdienstbesuchern und Internet-Nutzern einfach zu klein für ein Bewertungsportal dieser Art?
Wer weiß. Eine lustige Abwechslung im Redaktionsalltag war die Internetseite alle Male. Wer sich selbst ein Bild machen will: hier geht es zum Hirtenbarometer.
Übrigens: Auf der Hitliste der am häufigsten bewerteten sechs Geistlichen stehen fünf Katholiken und eine Protestantin. Und die heißt – wer hätte das gedacht? – Margot Käßmann.
Dieser Beitrag wurde am 29.6.2011 um 15.02 Uhr veröffentlicht.
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