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Frau und Fußball

Meine größte Niederlage

Nicht zu unterschätzen: Frauen, die Fußball spielen. Foto: Cornelia Pithart

Nicht zu unterschätzen: Frauen, die Fußball spielen. Foto: Cornelia Pithart

Frauen im Fußball? Sie glauben, das sei eine Lachnummer? Hab ich auch geglaubt. Bis ich IHR begegnet bin. Und danach hat nur noch sie gelacht.

Keine Ahnung, wo sie sich inzwischen rumtreibt. In Peru, das war das letzte, was ich über sie gehört habe. Aber das ist auch schon ein paar Jahre her. Egal. Ich will hier kurz die Geschichte einer meiner größten Niederlagen erzählen. Und raten Sie mal, wer dafür verantwortlich war? Eben. SIE, jene Frau.

Hochschulsport, Fußball. (Lange her.) Mein Team genoss damals die Ehre, im Jahr zuvor den Hochschulcup grandios gewonnen zu haben. Harte Kerle, gewitzt und wieselfink. Und immer wieder diese spielerische Brillanz, die da aufblitzt. Erwartet man gar nicht von Theologen, nicht wahr?

Nun ja. Ich war der grandiose Torwart dieser grandiosen Mannschaft, und grandios wollten wir natürlich auch dieses Jahr den Cup verteidigen.

Der (gefühlte) Druck war enorm. Auch für mich. Denn im vergangenen Jahr hatte ich nur zwei Tore kassieren müssen. Zwei! Wissen Sie, was das für einen Torhüter heißt? Heaven ...

Und dieses Mal schien es noch besser zu kommen. KEIN Gegentreffer in der Vorrunde. KEIN Gegentreffer in der Zwischenrunde.

Halbfinale.

Ja, was ist denn das?

Da taucht plötzlich ein Zwerg auf dem Spielfeld auf. Oder ein Kind? Aber dann ein ganz kleines.

Und blond.

Ich schwöre, ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Denn nach längerem Hingaffen stellte sich heraus, dass es weder Kind noch Zwerg, sondern eine FRAU WAR. Eine Frau! Im Hochschulcup.

Und sie war auch noch, na, schätzungsweise höchstens 1,52 groß.

Ich muss wohl wirklich blöd geguckt haben. Jedenfalls sagte die kleine Frau: »Guck nicht so blöd. Pass lieber auf dein Tor auf.«

Keiner von uns wusste so recht, ob uns der Gegner damit nicht vielleicht einen Streich spielen wollte. Seine meilenweite Überlegenheit demonstrieren, dass er sich sogar erlauben konnte, eine FRAU gegen uns auflaufen zu lassen. Oder hatte er sich vielleicht gegen uns schon aufgegeben? Oder musste bei denen im Team irgendeine Quote eingehalten werden? Vielleicht waren auch sämtlich Ersatzspieler krank, und jetzt musste halt die kleine Schwester von irgendjemanden herhalten.

Anpfiff.

Die kleine Schwester spielt uns alle schwindelig. Sie kurvt wie ein Irrwisch um die Beine meiner Spielkameraden, immer den Ball an ihrem Fuß, ist einfach nicht davon zu trennen. Zwei Tore schiebt sie mir in den Kasten.

Die beiden Tore sollten die beiden einzigen bleiben, die ich im ganzen Turnier einstecken musste. Wir wurden wieder Meister, haben unseren Cup verteidigt. Und ich hatte fast nen Nervenzusammenbruch.

Ich war heilfroh, dass es in jenem Spiel bei zwei Toren geblieben ist. Hätte der Rest der gegnerischen Mannschaft auch nur entfernt die Klasse seiner Starspielerin gehabt - wir wären vom Platz gefegt worden.

Uli, wo steckst Du? Ich habe gehört, dass Du nach Peru gegangen bist. Sag bitte nicht, dass Du dort die Nationalmannschaft trainierst. Sonst brauchen wir unsere schwarz-rot-goldenen Flaggen gar nicht erst für die nächste WM aufzuheben ...


gmh

Dieser Beitrag wurde am 5.7.2010 um 15.54 Uhr veröffentlicht.

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