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Zeche Zollverein

Himmelfahrt ins Untertage-Revier

<b>Symbol für eine Region</b> im Wandel: Zeche Zollverein in Essen. Foto: Felix Rodenjohann

Symbol für eine Region im Wandel: Zeche Zollverein in Essen. Foto: Felix Rodenjohann

Mein Einstieg ins Untertage-Zeitalter beginnt mit einer Himmelfahrt. Ganze 90 Sekunden dauert die Beförderung mit der höchsten freistehenden Rolltreppe Deutschlands. Sie bringt den Besucher der zum Ruhr-Museum umfunktionierten Zeche Zollverein an den Startpunkt – einer unverwechselbaren Entdeckungsreise.

Anders als bei einer biblischen Himmelfahrt (soweit ich mir die zumindest vorstelle), entdecke ich keine mir mit zwinkerndem Auge zuprostenden Heiligen auf frei schwebenden Wolken links und rechts der gigantischen Treppe. Stattdessen erstreckt sich das Asphaltgrau des Zechengeländes – einige hundert Meter weiter geht es in die Landschaft über.

Oben angelangt, betrete ich ein gigantisches Foyer – die ehemalige Kohlenwäsche, größtes Übertagegebäude Zollvereins. Kurz genieße ich den Ausblick über den riesigen Komplex aus rotem Backstein, dessen Förderturm sich zum Symbol der gesamten Region gemausert hat. Umgeben von federleichten Kulturhauptstadt-Bannern und tonnenschweren Stahlkonstruktionen löse ich mein Ticket. Die Halle versprüht rustikalen Charme. Sechs Euro kostet der Eintritt in eine Welt, die sich trotz ständigen Wandels einen besonderen Flair bewahrt hat. Ein kleiner Preis für eine große Reise in die Geschichte dieser bodenständigen Region.

Den früheren Fahrtstuhlschacht durchkreuzen kleinere Treppen. Ich steige die mit orangefarbenem Neonlicht gesäumten Stufen hinab und lande auf der ersten Ebene des Museums. Bevor ich auf die Vergangenheit des Reviers treffe, werde ich mit der Gegenwart konfrontiert: Schnappschüsse, aufgenommen von der berühmt-berüchtigten A40 – deren Stauanfälligkeit ist legendär. Die Fotos zeigen Landschaftsbilder und Häuserfassaden. Lebensnah auch die Bilder von Familien, die sich mit Kind, Kegel und Haustier vor ihren Haustüren eingefunden haben und mal nachdenklich, mal gelöst vor der Kamera posieren.

Auch der Fußball als wichtiges Kulturgut des »Ruhrpotts« ist auf den Fotos vertreten: die bildgewordenen Spielverläufe der Amateurbegegnungen fesseln den Betrachter, ebenso die Fernsehapparate, die simultan und ohne nervige Kommentatorenstimme spannende Matches von BVB und S04 ausstrahlen. Soeben trifft Borussias Sahin aus halbrechter Position – grenzenloser Jubel und Gänsehautatmosphäre pur.

Eine Etage tiefer treffe ich neben dem berühmten Schimanski-Zitat (»Du Idiot, hör auf mit der Sch…«, war damals Premiere für das deutsche Fernsehen) auf mir völlig unbekannte Haushaltsgegenstände: etwa ein länglicher Wäschelöffel, der in seiner gläsernen Vitrine an die hölzerne Zeit vor der Erfindung der Waschmaschine erinnert. Die Arbeitszeiten der Kokerei bestimmten, wann gewaschen wurde, verrät eine Besucherin. Und auf den Fenstersimsen sammelte sich der Ruß.

Auf der untersten Ebene wird es historisch: zahlreiche Gegenstände mit dazugehörigen Informationstafeln berichten über Industrialisierung, Wirtschaftswunder und die politischen Kämpfe des 20. Jahrhunderts. Der klobige Reisekoffer eines Ruhrpolen und die handgeschriebene Heimatpost eines Exil-Bielefelders gehen dem Besucher nahe. Spätestens hier unten weiß ich: die Geschichte des Ruhrgebiets ist die Geschichte der Menschen. Schön, wenn sie so lebendig aufbereitet wird.

Artikel wurde geschrieben von Vincent Knopp

______________________________Foto: privat

______________________________Foto: privat


Vincent Knopp (24) absolviert ein Praktikum in der Pressestelle der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Für UK berichtet er von seinem Ausflug zur Zeche Zollverein. Er studiert an der Universität Bielefeld.

Dieser Beitrag wurde am 29.9.2010 um 15.36 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Matthäus53 schrieb am 13.10.2010 22:18:

Vom Zollverein ( als Wirtschaftskraft ) –
zum biblisches Missionsauftrag gemäß des
Matthäus Evangeliums !

Die Bergpredigt von Jesus Christus wurde nicht im Keller sondern auf einem Berg verkündet. Warum sollte daher nicht auch die Höhe des Zechenturmes Zollverein für die Verkündigung der Bergpredigt genutzt werden.
Schon zwei Jahre nach Öffnung der DDR Grenzen, fand im Jahre 1991 der erste gesamtdeutsche Evangelische Kirchentag auch auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein statt.
Aber warum heißt die Zeche überhaupt Zollverein ?
Prof. Friedrich List gründete 1819 den “Handels – und Gewerbeverein zur Förderung der Zolleinigung Deutschlands.
Dieser Zusammenschluss erleichterte den Handel innerhalb des deutschen Kaiserreiches und ein Großteil der Zollkontrollen und Brückenzölle innerhalb der vielen kleinen deutschen Fürstentümer konnte weg fallen.
Sogar das Großherzogtum Luxemburg schloss sich von 1842 bis nach dem Ersten Weltkrieg, dem zollfreien Handel innerhalb des Deutschen Zollvereins an.
Als Dank und im Gedenken an diese glorreiche Handelsidee wurde im Jahr 1847 der erste Schacht der Zeche Zollverein in Essen abgeteuft und gegründet. Im Dezember 1986, einen Tag vor Heilig Abend wurde die Zeche Zollverein als letzte Essener Zeche stillgelegt.
Die Anlage steht seit 1986 unter Denkmalschutz und wurde im Jahr 2001 als UNESCO Weltkulturerbe eingestuft.
Die Besonderheiten der Zeche Zollverein sind der 55 Meter hohe Förderturm. der auch als „ Kölner Dom“ des Ruhrgebiets ( Zitat Diepholzer Krs. Blatt ). genannt wird.
Früher wurde auf der Zeche die Erde durch die Kohleförderung ausgebeutet. aber seit 1999 wurde auf der Dach der Kokerei eine 2 MW Solaranlage gebaut, nach dem Motto „ Schöpfung bewahren durch die Nutzung der Schöpfungs -kräfte !
1991 fand auf dem Zechengelände erstmalig ein gesamtdeutscher evangelischer Kirchentag statt.
Die Idee für die Aktion“ Bergpredigt “ wäre, die christlichen Impulse die schon von hier aus verbreitet wurden, neu zu beleben. Dies kann dadurch geschehen, indem sich die Kirche gemäß des 5., 6. und 7. Matthäus- Evangeliums und seinen 111 Versen einbringt und von höchster Stelle aus die Bergpredigt des Matthäus Ev. mit seinen drei Teilen und 111 Versen verkünden und lesen lässt. Früher gingen von der Zeche Zollverein wirtschaftliche Impulse aus , durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Kohleverkauf. Jetzt wo die Zeche ein nationales und Unesco Kulturgut geworden ist, sollten von der Zeche auch neue christliche Impulse ausgehen.

Das Foyer auf dem 55 m hohen Förderturm könnte als "Sendemast" für die Verkündigung der Bergpredigt dienen.

Die Besonderheit des Matthäus Ev. lesens muß auch im ökumenischen Aspekt liegen. Personen die vorlesen,
sollten Zoll ,- und Finanzbeamte aus den umliegenden Finanz- und Zollämtern, ( verschiedene Kirchenzugehörigkeit wäre wegen der Ökumene gewünscht ) sein.

Auch wäre denkbar , dass ein Landes -oder Bundes -Finanzminister und auch Zollbeamte aus Israel oder anderen Bundes-und EG Ländern Stücke des Matth. Evangeliums lesen.
Alternativ hierzu wäre auch denkbar, im September (21/22. ) wenn in der kath. Kirche der Matthäus Gedenktag
( Namenstag) gefeiert wird, einen ökumenisch ausgerichteten Gottesdienst mit Zoll -und Finanzbeamten zu gestalten, analog der Länder Luxemburg und Polen wo es an diesem Tag schon regelmäßige Gedenktage und sogar Festveranstaltungen mit Zollbeamten gibt !
Dieser Tag sollte auch vor dem Hintergrund der immer noch andauernden derzeitige Wirtschaftskrise geplant werden, weil besonders die Zoll -u. Finanzbeamten die Bürger nicht übervorteilen sollen ( Matthäus Ev.22, 17-22)

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