Busfahren
Einfach nicht normal
Da war ich neulich auf Dienstreise. Mit der Bahn. Zur Tagungsstätte Haus Villigst, im Ruhrtal bei Schwerte.
Bei Ankunft in Schwerte war der Bus weg. Herrliche Septembersonne und noch fast eine Stunde Zeit bis zum Termin. »Laufe ich doch«, denkt sich die sportliche Redakteurin, »das müsste zu schaffen sein«.
Aber halt – da steht ein Bus. Ob der zufällig in die richtige Richtung fährt? »Haus Villigst – der ist gerade weg«, überlegt der Fahrer.
»WAS, laufen wollnse?«
»Da steign Se mal ein, bis zur Ruhrbrücke könnse mitfahren.« Fahrschein? Nee. »Hammse kein Bahnticket? Na, sehn Se – das gilt auch für den Bus! Setzen Se sich mal hin, ich sach Ihnen Bescheid.«
Verwirrt sinke ich auf den Sitz. So viel Freundlichkeit! Das bringt mein Weltbild durcheinander. Busfahrer sind mürrisch und gestresst, so kenne ich das. Liegt es an meinem Parfüm oder hat der Mann einen Sonnenstich?
Abruptes Bremsen. »Hier könnse aussteigen«, dröhnt es von vorne. Ein Blick nach draußen: Eindeutig keine Haltestelle. Der Bus steht in einer engen Kurve, von hinten hupt es ungeduldig. Der Fahrer aber hat Zeit: »Da gehen Se jetzt an den Schrebergärten vorbei und dann durch die Wiesen, da fahre ich immer mit dem Fahrrad lang« – spricht’s, öffnet die vordere Tür und winkt mir nach. Die Sonne lacht, die Welt ist schön!
Und die Rückfahrt?
Abends: ein anderer Bus, ein anderer Fahrer. Wortlos kassiert er das Fahrtgeld und gibt schon wieder Gas, ehe ich überhaupt sitze. Der Bus rattert eine riesige Umleitung, steht gefühlte Stunden vor einer Baustellenampel und kommt endlich mit mehr als zehn Minuten Verspätung am Bahnhof an. Als sich die Türen öffnen, ertönt vom Fahrersitz her eine fröhlich Stimme: »Endlich geschafft! Ist einfach schrecklich, die Umleitung! Schönen Abend noch!« Noch ein netter Busfahrer – ja, träum ich denn?
Es wird Sie jetzt nicht mehr überraschen, dass mir der ICE-Schaffner an diesem Abend voller Begeisterung eine Fahrkarte verkaufte und dabei bester Laune berlinerte, wie schön dat wäre, dat er heute pünktlich nach Hause käme ...
Ich sach Ihnen: Das ist einfach nicht normal.
leg
Dieser Beitrag wurde am 30.9.2009 um 12.29 Uhr veröffentlicht.
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