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Die Redaktion

<b>Auf den Flügeln von Wissen</b> und Hochleistungskultur: Unser Autor Yannic Kreidel verstärkt zurzeit den Brainpool bei UK.   Fotos/M: gmh, Ilja Mašík/gmh

Auf den Flügeln von Wissen und Hochleistungskultur: Unser Autor Yannic Kreidel verstärkt zurzeit den Brainpool bei UK. Fotos/M: gmh, Ilja Mašík/gmh

Evangelisches Medienhaus, Haltestelle Windelsbleicher Straße in Bielefeld-Brackwede. Mein erster Tag als Praktikant bei UK.

Ich geh einfach mal rein. Werde von einer eleganten Dame begrüßt, die mir sagt, dass der stellvertretende Chefredakteur gerade jetzt bei der Andacht ist. Oh – es gibt also eine Andacht. Ich solle doch ein Moment warten, er wird gleich kommen, sagt die blonde Frau um die ... ... ... okay, schätze nie das Alter einer Frau. Vor allem, wenn sie deine Meinung später noch lesen könnte.

Ich setzte mich auf einen der Stühle. Schwarzes Leder mit glänzendem Metall. Erinnert mich an eine Kunststunde in der 10 mit einem (leider missratenen) Referat über den Bauhaus-Stil.

Es ist warm hier – Mantel auf – und man hört Singen aus einem Raum, der hinter mir liegt.

Die Dame vom Empfang fragt mich freundlich, ob ... na, was man halt so fragt.

5 Minuten später erstirbt der Gesang und ein paar Leute kommen in den Empfangsraum.

Unter anderem auch jemand, den die Dame ansieht und dabei auf mich zeigt. Das wird er sein – der flotte Herr vom Telefon eine Woche zuvor.

Herr Hoeffchen, oder später nur „Gerd“, kommt um die Ecke – sogar mit einem schon bekannten Gesicht daneben. Der Mallas. Den kenne ich schon, vom Sehen und Hören.

Nach Begrüßung und Smalltalk vor dem Aufzug, der wahrscheinlich vom Hausmeister jedes mal hochgezogen wird, so lange braucht er, bis er da ist, geht es durch eine Tür in die Redaktion.

Als erstes eine bedeutungsvolle Eröffnung: »Wir zeigen dir jetzt den wichtigsten Raum auf dieser Etage!« Tatatata – die Toilette. Okay, gähn. Witz verstanden. Etwas weiter die Teeküche. Schon besser. Erst dann folgt in der Reihenfolge der Wichtigkeiten: das Sekretariat. (Die Stuben der Redakteurinnen und Redakteure folgen allerdings noch später.)

Es ist warm hier und riecht nach... da habe ich länger drüber nachgedacht... erst hätte ich gesagt nach „Denken“, aber diese Geruchsbezeichnung ist leider in meinem Bekanntenkreis nur unwesentlich positiv behaftet. Geist? Bildung? Also sagen wir: Schlecht riecht es jedenfalls nicht.

Weiter geht es, die Redaktion ist ein Labyrinth. Irgendwo findet man doch immer noch einen Gang, ein Zimmer, ein Regal mit einem Buch drauf. Hier ein Büro, da ein Büro und ein großes Zimmer für die Besprechungen. Aha – es gibt also gleich eine Besprechung.

Jeder hat seinen eigenen Arbeitsplatz, dazwischen stehen Schränke voll Bücher und Zeitungen. Bücher, die aussehen als würde eh niemand in sie hereinschauen, die haben sich ihre Ruhe verdient, jetzt ist Wikipedia dran.

Man kann mit jedem reden, ohne in dessen »Abteil« zu gehen – die Stimme bleibt seltsam laut. Woran das liegt? Ich bin kein Physiker.

Der Vorteil (oder Nachteil?) wird scheinbar oft und gerne genutzt.

Ein Blick aus dem Fenster im 4. Stock zeigt mir ... nichts. Brackwede im Nebel. Den Kirchturm sieht man nicht, nur die S-Bahnen fahren. Vom Kamm des geschichtsträchtigen Teutoburger Walds ja sowieso nichts. So stell ich mir das Fahren auf einem Schiff im Nebel vor.

Nun gut – Blick wieder hinein ins Haus. Die Besprechung beginnt. Redaktionskonferenz.

Ein Raum mit roten, bequemen Stühlen steht bereit. Bequem. Sicherlich nicht ohne Hintergedanken. Man scheint sich auf längere Sitzungen in diesem Zimmer eingestellt zu haben.

Es geht los, alle sind da – es wird gescherzt, gelacht – über Leute, die mit offenen Augen schlafen können. Warum geht es nicht los?

Einer fehlt – der auf dem Königsplatz – am Kopfende der Tafel. Wird der Chefredakteur noch erwartet?“

Ja, er wird.

Dann ist er da. Los geht’s. Vorstellungsblabla. »Ich heiße Yannic Kreidel, Jahrgang 1992, besuche die 12. Jahrgangsstufe am Hans-Ehrenberg-Gymnasium Sennestadt ...«

Jeder Redakteur, jede Redakteurin ist bei UK für bestimmte Seiten und für einen lokalen Bezirk zuständig. Vor jedem liegt ein Zettel – bedruckt mit einer Tabelle, die für alle Seiten der Wochenzeitung eine Spalte hat. Die Planung der nächsten UK-Ausgabe.

Es geht reihum los. „Karin - was hast du?“ Jeder scheint sich schon vorher Gedanken um die Gestaltung „seiner“ Seite gemacht zu haben. Der älteste (glaub ich zumindest) im Saal führt Regie. Es geht auch mal um allgemeines, Leserreisen und Marketing.

Die Titelseite der nächsten UK zum Beispiel darf sich über einen Leitartikel freuen, der sich mit dem Thema »Rituale« beschäftigt. Keine Hexenverbrennung oder mystische Herbeirufung von seltsamen Kreaturen. Nein. Rituale des Alltags. Zähne putzen, Zimmer aufräumen – wiederkehrende Handlungen, jeden Tag, jede Woche, jeden Monat.

Es wird gescherzt. Etwa über die 68er: „Was haben wir damals gegen Rituale protestiert. Jeden Dienstagabend, immer um die gleiche Zeit ...“ Ja, ja die Anekdoten sind nicht so platt à la „öh Junge, weißte gestern abend, Alter...“ Man und Frau ist nicht dumm hier. Mich beschleicht ein Verdacht: Muss man als Redakteur klug sein?

Die Besprechung dauert. Die bequemen Stühle haben also tatsächlich ihre Berechtigung. Zwischendurch wird auch noch Urlaubsplanung besprochen. Locker, leicht und frei – ich will hier, du willst da. Der Chef trägt in den Kalender ein.

Am Ende werde ich gefragt, ob die Konferenz langweilig war. Nein! Man erfährt Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sich sie zu wissen lohnte. Und ja, die Terminbesprechung für das ganze nächste Jahr war für einen Neuling am ersten Tag dann doch weniger interessant, um es mal förmlich auszudrücken. (War das jetzt diplomatisch genug?)

Kann ja für einen Neuling nicht alles so interessant sein, wie diesen Text hier in die Tasten zu tippen.

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Der Autor, Yannic Kreidel (fast 18), leistet zurzeit ein Schulpraktikum bei UK.

Dieser Beitrag wurde am 26.1.2010 um 18.32 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Glybyrne schrieb am 27.01.2010 10:50:

bestelle hiermit 2 exemplare des fliegenden teppichs ausführung "uk". bestellung bitte weiterleiten.lieferadresse: glybyrne, bronx, siegen. kommt auf jeden fall an.

Pirol schrieb am 28.01.2010 17:42:

Ist ja wieder mal eine nette Foto-Arbeit von eurem gmh. Respekt ...

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