UK - Unsere Kirche > Startseite
Samstag, 11.02.2012
Sie sind hier: UK  > Blogs > 4. Stock, links > Die Marmeladen-Konferenz

Die UK-Weblogs

Chefsache

Viele Wahlurnen bleiben leer

4. Stock, links

Die Wolken und Berlin

Werbung

Werbung

Klebrige Sache

Die Marmeladen-Konferenz

<b>Hurra!</b> Mit Marmelade kann man so herrliche Dinge anstellen.  Foto: Violetstar

Hurra! Mit Marmelade kann man so herrliche Dinge anstellen. Foto: Violetstar

Marmelade ist eine feine Sache. Man kann so herrliche Dinge damit anstellen.

Zum Beispiel sie zum Gegenstand lebenslanger Erforschung erheben. Wer das nicht weiß, neigt in aller Regel dazu, Marmelade nur als süßen Brotaufstrich anzusehen. Ich gebe zu, in diesem Zustand der Ahnungslosigkeit hat auch mein Bewusstsein lange vor sich hingedümpelt. Bis ich sie kennenlernte: die Marmeladen-Konferenz.

Bis zu jenem Zeitpunkt dachte ich stets: Marmelade - was soll man sich schon Großartiges darunter vorstellen? Ein aufgekochter Früchte-Gelierzucker-Brei. Okay, er schmeckt ganz gut. Aber sonst? Verklebte Finger. Verschmierte Mäuler. Und über die Irrsinnsdosis Süße in jedem Bissen können sich eigentlich nur die lieben kleinen Kariesbakterien freuen: Danke, schreit’s aus unseren Zahnzwischenräumen, danke für die Extraportion Mastfutter!


Nun, das ist halt die Stufe niedriger Erkenntnis. Die Sicht des marmeladenmäßigen Neandertalers gewissermaßen.


Wer dagegen zu den wirklich Wissenden zählt, weiß, was Sache ist: Marmelade ist ... nun ja, sie ist ... ... ... tatsächlich: Sie ist nicht weniger als ein Gesamtkunstwerk! Sie reden über die Raffinesse eines Karajan-Konzerts? Die Komposition eines Monets? Ja, Herrschafts! Da schauen Sie mal in die Rezeptur einer echten Hausmacher-Familien-Spezial-Marmeladenmixtur!

Ingwer-Butter-Honig-Kampfer-Kirschblüten-Mohn, natürlich bei Vollmond in einer Juninacht angesetzt. Oder Buschwindröschen mit Vergissmeinnicht und Herbstzeitlose gekreuzt (und immer schön darauf hoffen, dass die giftigen Bestandteile beim Kochen gerade so weit unter die Grenze fallen, dass sie nicht mehr tödlich, aber immer noch bewusstseinserweiternd wirken). – Natürlich sind das nicht die wirklichen Rezepte, die ich hier wiedergebe (und, Achtung: Ich fordere alle Leserinnen und Leser auf, dieser Anleitung zur Zubereitung einer Marmelade NICHT ZU FOLGEN!).


Aber es vermittelt immerhin einen guten Eindruck davon, was ich in etwa verstehe, wenn sich meine Schwiegerfamilie trifft. Einmal im Jahr kommt die Sippe zusammen (so etwa 150 Leute, Kinder und Enkel nicht mitgezählt), um sich über Rezepturen, Kniffe und Kunstgriffe bei der Herstellung von Marmelade auszutauschen. Offiziell dient dieses Treffen natürlich einem anderen Zweck – Verwandtschaftspflege oder so. Aber das ist selbstverständlich nur vorgeschoben.

Nein, in Wirklichkeit gibt es an diesen Wochenenden nur EIN Thema: »Hab ich dir schon von meiner Sauerkraut-Karamell-Mischung erzählt?« »Du, darf ich mal von deiner neuen Sorte kosten, was ist das eigentlich? Joghurt, Ananas, Pflaume? Und dieser Hauch von Herbe, ist das etwa ...«


Sie glauben gar nicht, wie anregend diese stundenlangen Gespräche zwischen Dutzenden von marmeladebegeisterten angeheirateten Verwandten am Frühstückstisch sein können. Vor allem, wenn man Morgenmuffel ist, unausgeschlafen und absolut nicht mitreden kann. Nun, immerhin gibt es dafür Marmelade – in rauhen Mengen und jeder nur erdenklichen Geschmacksrichtung. Ich für meinen Teil bevorzuge ja eher Deftiges zum Frühstück. Aber sei's drum - an diesem Tag verzichte ich gern auf Rührei und Speck. Das ist nur ein kleines Opfer, wenn man bedenkt, wie dafür mein Bewusstsein in Marmeladenangelegenheiten wächst und wächst.

Meine Reife in diesen Dingen dürfte mittlerweile der einer gut durchgezogenen Orangen-Bananen-Kokosnuss-Mischung in nichts mehr nachstehen. Gibt es Wasser auf dem Mars? Ha!, kann ich da nur rufen, wenn interessiert’s? Sag mir lieber, wie ich Streichholzasche und Parmesan so binden kann, das sie den herben Geschmack einer deutschen Quitte abrunden! Dann will ich dich als wirklichen Forscher achten.

Am dritten Advent ist es wieder soweit: Die Marmeladen-Konferenz trifft sich. Experten, gesammeltes Wissen, Fachdiskussionen. Vielleicht gibt es dann ja auch ein Ergebnis in der Quittenfrage.


Artikel wurde geschrieben von gmh

Dieser Beitrag wurde am 9.12.2009 um 17.06 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Eigenen Kommentar schreiben
Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare verfassen zu können.
Loggen Sie sich hier ein, falls Sie schon einen Account haben
Melden Sie sich hier kostenlos an
Evangelisch in Westfalen und Lippe
Informationen aus den Kirchenkreisen der EKvW und aus der Lippischen Landeskirche auf den jeweiligen Seiten (klicken Sie auf den gewünschten Bereich).
Karte