Erster Schultag
Abenteuer eines i-Männchen

Ina, Ali und der Schlängel an der Schreibschrift-Zwei: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag? Foto/M: gmh
O, ist das groß hier. Und so viele Menschen! Puh, zum Glück kennt man das eine oder andere Gesicht aus dem Kindergarten.
Doch da ertönt schon die Stimme der Direktorin… Schulanfang - der allererste überhaupt: Mein erster Tag als i-Männchen. Mann, ist das lange her.
Uralte Erinnerungen, vergessen, verdrängt, bahnen sich ihren Weg zurück in mein Bewusstsein, als wir im Kreise der Redaktion auf das Thema »Schulanfang« kommen.
Bald ist es wieder so weit: Die Schulferien in NRW neigen sich dem Ende zu. Für viele Erstklässler heißt dies: Rein in den Ernst des Lebens. Angesichts der bunten Schultüten und der allzu kastenförmigen Schulranzen, die Schaufenster und Ladentheken schmücken, macht sich bei so manch einem ein Gefühl von Nostalgie bemerkbar. So auch bei mir…
Ich weiß noch, wie Name für Name, i-Männchen für i-Männchen laut vorgelesen wurde, wie sich allmählich eine kleine Traube versammelte, da oben, so hoch oben auf der Bühne unserer Schulaula, so fern von den Eltern.
Endlich ist es soweit: 25 Erstklässer scharen sich um die neue Lehrerin, kleben regelrecht an ihr, überfluten sie - langsam aufgetaut - mit zahlreichen Fragen. Erster Anlaufspunkt in meiner neuen Klasse – der Schulhof, wo – klick – das Foto gemacht wird, das uns noch 20, 25, 30 Jahre später an diesen Tag erinnern wird.
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Ein Irrgarten von Gängen,
Räumen und Türen.
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Weiter geht es in Richtung Schulgebäude. Ein Irrgarten von Gängen, Räumen, Türen. Im Klassenraum dann vorsichtiges Herantasten an den Tischnachbarn.
Kurz vor Schluss überrascht mich die Frage meiner Klassenlehrerin »Wer von euch weiß denn schon, was Hausaufgaben sind?« Hausaufgaben? Noch nie gehört. Eine Hunderasse? Eine australische Götterspeise? Oder doch eine Sonderdisziplin im Skilanglauf? Ach, so unschuldig, so unwissend, wäre ich gerne noch die folgenden 13 Schul-Jahre geblieben.
Doch für diesen Tag musste ich keine seitenlange Interpretation über die Todesfuge schreiben, auch keine mathematische Funktion dritten Grades integrieren. Nein, mit vor Anstrengung herausgestreckter Zunge haben wir gemalt.
Am Ende meiner Grundschulzeit habe ich diese Chef-d’oeuvre übrigens zurückerhalten. Nette Geste. Also, mit einer guten Portion Phantasie könnte man möglicherweise darauf kommen, dass es sich bei dem violett-grünen Gebilde um eine Schultüte handelt. Genauso gut könnte es aber auch ein Raumschiff darstellen. Oder ein Suppenschüssel.
Inzwischen gelingt mir auch der komische Schlängel an der »2« (natürlich nur in Schreibschrift zu sehen). »Ali« und »Ina« kann ich mittlerweile auch problemlos schreiben. Doch dieser erste Tag wird immer etwas Einzigartiges bleiben.
Artikel wurde geschrieben von Miriam von Brachel
Dieser Beitrag wurde am 18.8.2010 um 11.45 Uhr veröffentlicht.
| Der 1. Schultag in UK |
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Erinnerungen an damals: Mehr über den »1. Schultag« lesen Sie in der Druckausgabe von UK: nämlich in UK 35/10 zum 29. August, auf der Seite 16. |
| Kommentare lesen |
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| Glybyrne schrieb am 18.08.2010 16:03: ich weiß nur noch dass damals die welt noch voll in ordnung war ... seufz |
| Erika Mörs schrieb am 21.08.2010 18:34: Ich denke, auch wir waren an unserem ersten Schultag aufgeregt, unruhig-gespannt: Dieses Riesengebäude mit seiner Riesentreppe! Die Riesenflure mit den endlosen Kleiderhaken! Und die vielen Kinder! Daran erinnere ich mich noch gut. Und dass alles grau war, Wände, deren einstige Farben längst abgeblättert waren. Nichts von bunten wohl gefüllten Schultüten. Keine Fotos. Und kein neues Outfit. Mein erster Schultag war 1947 nach den Osterferien; noch herrschte Mangel an Allem, aber weil wir nichts anderes kannten, waren wir darüber wohl nicht eben unglücklich. Als wir dann später unsere Plätze an diesen schrecklichen hölzernen Zweierpulten eingenommen hatten, schritt der Lehrer durch die Reihen und blieb freundlich lächelnd neben mir stehen: „Du hast eine sehr schöne Jacke an“, sagte er zu mir und blickte auf meine dunkelblaue Jacke, die zu einer ebensolchen Trainigshose gehörte, wie man sie damals trug, die meine Mutter aber, um die Hässlichkeit ein wenig zu überdecken, mit fantasievoll angeordneten roten Kreuzstichen geschmückt hatte. An diesen Moment kann ich mich noch heute sehr deutlich erinnern; auch, dass ich wohl ein bisschen beschämt war - aber auch ein kleines bisschen glücklich. |
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